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StZwilling
04.03.2006, 12:18
Was nicht in Horizonte steht
Liebe Clipper-Freunde,
auch an dieser Stelle ein Dankeschön an alle, die die Redaktion von Horizonte mit Texten unterstützt haben.
Für alle Zuschriften haben die Seiten des Magazins nicht gereicht, aber alle Texte sollen ihren Platz bekommen.
Vorerst hier unter Aktuelles im Forum, später vielleicht an anderer Stelle der Website.
Was auch hier noch nicht veröffentlich ist, hat die Redaktion bestimmt noch als Trumpf im Ärmel für die nächste Ausgabe der Horizonte und erscheint ja möglicherweise in gedruckter Form.
StZwilling
04.03.2006, 12:23
Koch in der Klemme
Auf dem Überführungstörn von „Johann Smidt“ von Lissabon nach St.Malo hatte es den Koch Stefan Groß schwer erwischt. Sein langer Arbeitstag am 1. April (kein Scherz!) war gerade vorbei und er ging in die Koje. Dem Steuermann hatte er die untere Koje überlassen und kletterte nach oben. In Richtung Atlantik segelnd, schaukelte es naturgemäß ein wenig. „Bei dem bisschen Dünung hielt ich es nicht unbedingt für nötig, das Kojenbrett hochzuklappen“, erzählte er.
Seit über zehn Jahren fährt Stefan Groß mindestens eine Reise auf Jonny und hatte festgestellt, dass er als Koch am Anfang jeder Reise durch die gesamte Umstellung und das zu leistende Arbeitspensum weder Beruhigungsmittel und schon gar keinen Alkohol brauche, um abends in einen Tiefschlaf zu fallen.
„Jedenfalls fand ich mich mitten in der Nacht auf dem Fußboden neben dem Waschbecken wieder“, berichtet er. Sein lauter Schrei hatte den Steuermann geweckt, der Licht machte und Hilfe holte. Mit entsprechenden Schmerzen im linken Unterarm wollte Stefan Groß nicht an eine Prellung glauben und sein Arm wurde provisorisch vom Arzt an Bord mit einem Holzlöffel geschient.
Zwei Tage später stellte der Arzt im Krankenhaus von Matosinhos bei Porto an der portugiesischen Küste beim Blick auf das Röntgenbild lapidar fest: „It´s broken!“ – der ist gebrochen. Anschließend ging die Reise für den Koch weiter, „sie hatte doch noch gar nicht richtig angefangen“, bedauert er. Für ihn allerdings mit einem Gips fast bis zum Schultergelenk. Sein größtes Problem: „Wie stelle ich die Versorgung von 37 Leuten mit einer Hand für die nächsten elf Tage sicher?“ Ein Crewmitglied stand ihm sofort ständig zur Seite und auch der Rest der Mannschaft bot laufend Unterstützung an. Dadurch wurde Stefan Groß nicht nur moralisch wieder aufgerichtet, es hat ihn sogar angespornt, dass er „Regie führen“ und die Arbeit in der Kombüse organisieren konnte. „Bis hin zu einem zünftigen Captain´s Dinner in St.Malo“, berichtet er und sagt: „Herzlichen Dank an die gesamte Crew – auch mein ´Urlaub´ war durch Euren hervorragenden Einsatz gerettet.
Der Bruch stellte sich als komplizierter heraus, als ursprünglich angenommen und noch Monate später hat Stefan Groß mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Deshalb rät er eindringlich: „Auch wenn man schlecht in die Koje kommt – Bretter hoch! Stellt auch schon beim kleinsten Seegang die Bretter von den Kojen hoch!“
(Anm. der Red: an Bord der Clipper-Schiffe sind aufblasbare Arm- und Beinschienen für solche Fälle)
StZwilling
04.03.2006, 12:26
Kurzer Arbeits- und Fahrtbericht
über den Törn mit der S/S Albatros Aarhus – Kiel, 21. bis 28. Mai 2005,
freudig vorgetragen von Kurt Weis am 27.5.05 um 23:59 Uhr,
am letzten Abend an Bord der Albatros
Du Albatros, Du guter Kahn,
pflügst durch die Ostsee Deine Bahn
mit Bayerns Fahne hoch am Mast:
So lässt sich´s leben. Ohne Hast.
Die Fahrt war lang. Die Zeit verflog.
Wir segelten beim Glück im Sog,
und sind jetzt braungebrannt in Kiel,
an Meer und Festland: uns’rem Ziel.
Das Wetter hing am seid´nen Faden.
Dank Neptuns und Poseidons Gnaden
gab´s Sonne, Wärme, Mond und Wind,
worüber alle fröhlich sind.
Wie lässt sich denn mit zarten Händen
so ein Topsegelschoner wenden?
Wie oft zwischen den Ostseeländern
muss man denn hier die Richtung ändern?
Klaufall, Piek und Innenklüver,
Segel runter, Zeising drüber.
Wer das alles schnell begreift,
ist in der Seefahrt schon gereift.
Wache schieben, Brote schmieren,
Großschot setzen, Bullen fieren,
Bierchen stemmen und sich regen,
Tampen immer neu belegen,
Zähne putzen, Deck abspritzen:
Mancher kommt direkt ins Schwitzen,
rennt dann noch ins Seminar,
wo „das Erlebnis“ Thema war:
Soll`n wir`s Selbstgefühl entfachen?
Blind mal ´ne Erfahrung machen?
Spürsinn aus dem Tastsinn saugen?
Grabschen mit verbund´nen Augen?
So ein leichter Besenstiel
wiegt wirklich auch an Bord nicht viel,
doch dank Christel misst er schon
Gruppen-in-te-gra-ti-on.
Gibt denn wirklich See-Erfahrung
dem Bewusstsein neue Nahrung?
Oder – ist ein Segel-Tö(r)n
nur ohne Pädagogik schön?
Im Klüvernetz, am Klüverbaum
erfüllt sich eines Neulings Traum.
Wer dort frei über´m Wasser schwebt,
des` Seele sich zum Himmel hebt.
Manch andrer wagt sich hoch empor
und krabbelt bis zur Marsrah vor,
schaut oben, wie das Wetter wörd,
von keinem Seminar gestört.
Der Hannes wollt` in Kerteminden
Den Wolfi schnell im Schlauchboot schinden:
Ins Wasser werfen, so zum Spaß
– da wurd’ er selber ziemlich nass.
Die Backschaft backt und schafft und backt
und füllt uns ab – im Stundentakt –
mit Seemannskost, höchst auserlesen.
Nie bin ich so randvoll gewesen.
Die Backschaft schafft und backt und schafft,
stärkt uns mit täglich neuer Kraft.
Es gibt ganz einfach nichts zu klagen.
Das wollt` ich hier noch einmal sagen.
Von allen viel besung’nen Festen
zählt der Tag heute zu den besten:
Da flogen Nixen und Matrosen
ins off’ne Meer in wilden Posen.
Ich möchte unsere Mannschaft preisen,
die lauten Typen, und die leisen,
die aufmerksam, mit Gruppenmacht,
das Segelschiff auf Fahrt gebracht.
Der Conny strahlt die Ruhe aus,
er ist auf diesem Schiff zu Haus.
Er kennt hier jede süße Maus,
und Wetter macht ihm gar nichts aus.
Wenn Conny spricht, schweigt alles still.
Der Captain weiß schon, was er will
- und hat doch auch für jede(n) Zeit.
Sein Herz ist, wie sein Bauch, sehr weit.
Mit Pfeife kommt ein Gentle-Mann,
des’ Stil ich nur bewundern kann.
Karl wirkt als Chef von Wache B,
erfahren, still, sorgsam und zäh.
Zu Wolfgang, dem Geburtstagskind,
eilt’ ein Gesangsverein geschwind,
der Boot und Herzen schnell erklimmt,
so lang` der Biervorrat nur stimmt.
Und Martin, Ihr seid eingeweiht,
zeigt uns, wie Liebe hier gedeiht,
wenn man, als Glück auf dieser Welt,
mal´s Ruder, mal die Steffi hält.
Den Kuddel aus dem Bayernland
zieht´s jährlich an die Waterkant.
Der Chefmonteur von BMW
Gibt der Maschin` den rechten Dreh.
Die Rita sorgt rund um die Uhr
für Essgenuss und Bauchmastkur.
Sie kocht und backt und würzt und putzt,
grad` wie´s dem Allgemeinwohl nutzt.
Aus der Studenten großer Schar
wird Frank heut` achtundzwanzig Jahr.
Dich grüß` ich herzlich, frei und fromm,
und freu` mich, dass Du mitgekomm`.
Ich möcht` Euch allen herzlich danken,
dass Ihr auf diesen alten Planken
mit mir so weit gefahren seid.
Bin zum Da Capo gern bereit.
Zum Uni-Dienst werd` ich zu alt.
Da flieg` ich raus. Das lässt mich kalt.
Fortan trink` ich an Bord mein Bier.
Statt im Büro bleib` ich dann hier.
Wir lebten frei an sieben Tagen.
Was Schön’res kann ich gar nicht sagen.
Drum hör` ich auf, ’s wird sonst zu lang,
und ruf noch einmal herzlich: Dank!
Wenn ich an jeden einzeln denke,
ich jedem mein Vertrauen schenke.
So weit Ihr mögt: Heut’ über’s Jahr,
seid bitte alle wieder da.
Kurt Weis
StZwilling
04.03.2006, 12:27
Gedanken zum Segeltörn 2240 vom 11. Sept. 2005 - 17. Sept. 2005
von KIEL nach Aarhus mit der S/S Albatros
Gedanken zum Segeln
Eine Reise mit CLIPPER ist nicht nur segeln, das ist mehr! Das ist Gemeinschaft auf engem Raum zu erleben, sich anzupassen. Verständnis für einander aufbringen! 23 auch überwiegend fremde Personen entern am Sonntag am Satorikai in Kiel das Schiff, sagen höflich: „Guten Tag“ und dann erst mal gar nichts. Die Kojen sind schon verteilt. Man richtet sich ein und stellt fest, ein französisches Breitbett ist das nicht - im Gegenteil, weit weniger. Schon eine Wende in der Koje wird, je nach Körperumfang, ein schwieriges Manöver werden. „Was - hier sollst Du es eine Woche aushalten?“ Es wird gehen!
Dann sind da die Kojennachbarn. Schnarcht etwa einer? Putzt er sich die Zähne? So nach einigen Tagen weißt Du das alles - siehst das sehr gelassen und souverän - Du kennst Dich aus. Der Kapitän gibt bekannt, was an Bord erlaubt ist und was nicht. Die Funktion der Toiletten wird erklärt - am Besten Du lässt es und machst bei kleinen Geschäften in der Nacht über Bord, um mit den Pumpen die Nachtruhe nicht zu stören. Die Raucher werden am Härtesten getroffen! Wenn überhaupt: nur an Deck und nur an Lee! Solltest Du Dich mit dem Gedanken tragen, das Rauchen aufzugeben, hier kannst Du es umsetzen.
Wachen werden eingeteilt. Geregelter Schlaf über acht Stunden am Stück wird aufgehoben. Es wird alles gehen. Seekarten werden studiert. Rot und grün als Hautfarben festgestellt. Tauwerk ohne Ende mit den originellsten Namen gilt es, sich zu merken und vor allem: wo sie sich befinden. Klau, Piek, Dirk, Schoner, Gordinge. Segel werden gesetzt und wieder heruntergeholt - alles unter fachmännischer Leitung. Im Gespräch lernt man seine Mitsegler kennen. Menschen wie Du und ich. Alle haben ihre Vorstellungen, Sorgen und Hoffnungen. Man kommt sich näher. Sympathien werden aufgebaut - oder auch nicht. Über Anweisungen des Kapitäns wird im Rahmen der Möglichkeiten diskutiert - Widerspruch gibt es meist nicht - wozu auch? Warum nimmt man das alles in Kauf, wo doch jeder sein freies Leben aufgebaut hat? Hier lernst Du, dass der einzelne nur der Teil eines Ganzen ist. Ob Handwerker, Ingenieur, Kaufmann, Pensionär oder was auch immer: alle sind gleich. Schrubbst Du zu Hause noch Toiletten? Schälst Du noch Kartoffeln? Hier in Mengen! Machst Du noch Abwasch? Was auch immer - kämst wohl kaum auf die Idee. Hier geht dies alles, weil in einer Gemeinschaft, wenn sie funktionieren soll, es so gehen muss. Wenn Du also in Dein geordnetes oder auch nicht geordnetes Leben zurückkehrst, wirst Du vielleicht einige Dinge anders sehen und beurteilen. Du gehst gelassener und eventuell etwas gereifter zurück - wenn es noch geht.
Wir die Crew, haben uns zu bedanken!!
Beim Kapitän Bernhard - seiner kompetenten, ruhigen, gereiften Art. Bei dem
Maschinisten Wilhelm, was aus dem Motor herauszuholen war, ist gut gelaufen.
Bei den Steuerleuten Clemens, Siegfried und Gunther.
Ich persönlich habe mitgenommen, dass es auch im Binnenland exzellente
Steuermänner gibt, sogar in Berlin. Wir bedanken uns ganz herzlich bei der
Köchin Inge, die uns vorzüglich versorgt hat - dies mit strengem Regiment
gegenüber der jeweiligen Backschaft.
Wir bedanken uns, dass ihr uns als erfahrene Seeleute ein kleines Stück
unseres Lebens begleitet habt und wir wünschen Euch weiterhin alles Gute
und bleibt vor allem gesund.
Vielleicht sehen wir uns ja mal bei Clipper wieder.
Heinz-Dieter Lange
StZwilling
04.03.2006, 12:32
...na wie riecht das Meer?
Nach Fernweh,
nach Abenteuer,
nach fremden Ländern,
nach Naturgewalten,
nach Windstärke 7, in Böen 9,
nach salziger Haut,
nach Kameradschaft an Bord,
nach Lumumba im Sonnenuntergang,
nach Ankerwinden im Frühtau,
nach steuerlosem Treiben vor der Schwedischen Küste,
nach übermüdeten Wachleuten,
nach kalfatertem Holz,
nach schwalbenförmigen Albatrossen,
nach vier Generationen Ring-Andersens,
nach Backschaft ohne Zipfelmütze,
nach Dünnbier in Svendborg,
nach Flaggenmanöver zum Tagesanbruch,
nach Blasen an den Händen,
nach Seemannsliedern am Abend,
nach unrasierten Polizisten,
nach Frauen im Maschinenraum,
nach Benzinpumpen auf dem Holzdeck,
nach Gummisauen in der Flaute,
nach Lehrern mit Seemannsträumen,
nach Jungen ohne Hoffnung,
nach Streuselkuchen mit Apfel,
nach Sherry,
nach Zwiebel- und Kartoffelschalen,
nach Admiralen, die im Wasser schwimmen,
nach alten Schiffen im Zickzackkurs,
nach Ölofendunst aus der Kombüse,
nach Blähdunst aus dem Steuerhaus,
nach Quallen im Hafenbecken,
nach Farben auf der Helling,
nach versengten Kunststofftauen,
nach Temperaturmessungen um Mitternacht,
nach Öltankern auf Nordseekurs,
nach Ankerwache im Kattegatt,
nach Klönschnack auf dem Achterdeck,
nach Beck's Bier im Klüvernetz,
nach Saugschlauch in der Ankerkette,
nach Lose holen ohne die Buden zu sehen,
nach Kursplanungen ohne das Ziel zu kennen,
nach orientierungslosen Rudergängern,
........... nach Urlaub halt!!!!
Reinhard Würthwein,
der nur mal so in Erinnerungen schwelgte!
StZwilling
04.03.2006, 12:33
Törnbericht Törn 2186, SS Johann Smidt
…Und es hält doch!!!…
Unser Großsegel ist gemeint. Die Crew vor uns hat uns 2 zerrissene Segel hinterlassen, wovon eins irreparabel ist und eins wohl noch genäht werden kann, aber viel Arbeit verspricht. Also haben wir uns gleich nach Ankunft am Schiff daran gemacht, es zu nähen. Zusätzlich zu unseren eigenen Segelmacherhandschuhen bekamen wir von der Oceanalliance, dem amerikanischen Segler der direkt neben uns lag, noch 3 Stück dazu und dann konnte es losgehen. Die ganze Crew beteiligte sich am Segel nähen. Jetzt sind wir alle professionelle Näher und Spaß hat es auch noch gemacht, auch wenn wir alle abends ziemlich erschöpft waren. Gleich noch am selben Abend (mittlerweile ist es fast 11) ziehen wir das Segel ein, damit wir am nächsten Tag lossegeln können
.
Am folgenden Donnerstagmorgen teilt unser Kapitän Carsten die Wachen ein und macht die erste Einweisung. Ich bin Steuermannanwärter und Wachführer Wache A und damit zuständig fürs Vorschiff.
Nach dem anschließenden Bunkern und der Segeleinweisung legen wir dann aus Las Palmas ab. Mit viel Hupen und Beifall und unter Begleitung des Hafenmeisters im Schlauchboot geht es raus auf den Atlantik. So ein Abschied ist schon eine tolle Atmosphäre, so ganz anders als auf den Ostseetörns.
Weil wir mit dem genähten Segel nichts riskieren wollen (wir wissen ja nicht, ob es große Windstärken überhaupt noch aushält) segeln wir nicht in den Atlantik raus, sonder halten uns mehr an der marokkanischen Küste und nehmen Kurs auf Casablanca. Nach 2 Tagen schläft dann leider der Wind ein. Es wird so ruhig, dass man sogar Delphine (bzw. deren Wellen) auf dem Radar sehen kann. Die Delphine sind jetzt unsere ständigen Begleiter, auch Schildkröten und wir sichten sogar 2 Wale. Nur keinen Wind. Also motoren wir nach Casablanca. Wir freuen uns schon auf die berühmte Moschee, fragen uns wie viele Kamele man wohl für eine Mitseglerin bekommt und wie viele Kamele man für ein neues Großsegel braucht…
Und dann laufen wir ein: Casablanca!!! Der Hafen ist allerdings ernüchternd. Ein ganz gewöhnlicher, ziemlich schmutziger Industriehafen.
Leider erfahren wir dann, dass wir 1000€ Liegegebühr zahlen sollen und das ist einfach zu viel. Also laufen wir wieder aus und setzen Segel: Endlich Wind! Einen ganzen Tag lang können wir segeln, bis wir wieder vom Wind verlassen werden.
Wir nehmen unter Maschine Kurs auf die Algarve und erreichen dann nach 2 Tagen motoren auch Portimão. Hier gehen wir für eine Nacht zu Anker und segeln dann weiter nach Lagos.
Kurz vor dem Hafen bergen wir die Segel und starten die abenteuerlichste und spannendste Aktion, die ich je erlebt habe: Einlaufen in einen kleinen Hafen mit flacher, eventuell versandeter, Einfahrt.
Rene, unser Maschinisten-Anwärter, hat ein transportables Echolot dabei. Ein prima Gerät. Es sieht aus, wie eine Taschenlampe und zeigt die Wassertiefe in Fuß an. Die Gummisau wird ausgesetzt, die Hafeneinfahrt ausgelotet. Wir folgen der Gummisau ganz langsam und schleichen uns so in den Hafen. An der flachsten Stelle haben wir noch 1,70m Wasser unterm Kiel. Reicht also.
Lagos selbst ist wunderschön. Von unserer Pier genießen wir ein herrliches Panorama der Hafenpromenade (und die Spatziergänger auf der Hafenpromenade genießen ein herrliches Panorama von uns), das Wetter ist sommerlich und Garnelen, Muscheln und Wein in dem kleinen Restaurant nicht weit vom Schiff sind ausgezeichnet.
Jede noch so schöne Hafenzeit geht einmal zu Ende: Wir laufen wieder aus und passieren gegen Abend Kap Sao Vincente: Der Anblick der hochwehenden Gischt an der Steilküste des westlichste Punktes Europas ist einfach atemberaubend. Und davor eine ganze Schule Delphine. Einmalig.
In der darauf folgenden Nacht sollten wir sehen, was wir in Las Palmas geleistet hatten: Trotz aller Befürchtungen hielt unser Großsegel bis Windstärke 9! Eine lokale Gewitterfront hat uns getroffen, der Wind frischte sehr schnell auf und wir mussten Segel bergen. Das Großsegel hat jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes die Zerreißprobe bestanden. Es hält doch!!! Natürlich sind wir alle sehr stolz auf das Segel, nachdem es das ausgehalten hat und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.
Unser nächster Stop ist Sétubal. Wir ankern in einer gemütlichen Bucht im Rio Sado und bleiben dort 2 Nächte liegen um Ostern zu feiern (inklusive Grillen am Strand am Ostersonntag).
Ab jetzt heißt es Kurs Lissabon. Der Wind weht mit Stärke 5 bis 6, wir können also am letzten Tag noch schön segeln und laufen mit fast 7 Koten richtig Speed. Herrlich! Ein prüfender Blick in Richtung Großsegel (du wirst doch wohl nicht, auf den letzten Metern…) aber es hält! Und es steht sogar richtig gut.
Kurz vor Lissabon bergen wir Segel und fahren dann durch das Lichtermeer der Stadt zu unserem Liegeplatz im Doca de Alcântara und machen dort mitten in der Nacht fest.
Zwei Tage haben wir noch Zeit die Stadt anzuschauen, Wasser und Proviant zu übernehmen und das Schiff für den nächsten Törn schön sauber zu machen. Wir werden also zu Touristen, indem wir über die Stadt herfallen, und versuchen alle wichtigen Punkte unserer Reiseführer abzuarbeiten.
Schade, dass der Törn so schnell vorbei war, es war ein schöner Törn, etwas mehr Wind hätte zwar sein dürfen, aber alles andere stimmte und so soll es sein.
Verena Franzen
StZwilling
17.04.2006, 09:25
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