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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Weihnachtsmann auf der Reeperbahn ;-)


Goedecke Michels
17.03.2006, 12:02
Von drunt`vom Hafen komm`ich her, ich muß euch sagen, es war ziemlich schwer,
auf St. Pauli bei den leichten Mädchen und Seebär`n den Alten mit seinem Sack aufzustöbern.
Und wie ich so schritt durch das Schneegeriesel: bei der Großen Freiheit fand ich ihn dann
in einer polizeilich verbotenen Piesel und stinkbesoffen – den Weihnachtsmann.

Er hing an der Theke, soff Grog und sang stolz (und es lauschten andächtig die Gäste)
die Ballade: „O Tannen-, o Tannenholz, wie klebrig sind deine Äste!“
Sein traditioneller, weiß wallender Bart geriet ihm des öfteren ins Grogglas,
wobei er nach typischer Weihnachtsmannart leicht schräge auf seinem Bock saß.
Das war eine Stimmung! So weihnachtlich! Zwei Striptease-Engelchen setzten sich
dem Weihnachtsmann auf die Beine (die hatten ganz schön einen sitzen,
und da sah man die Lichtlein blitzen...) und schließlich weinte die eine:
O, lieber guter Weihnachtsmann, nun fang mit der Bescherung an!

Und da verhaute der Gute die Weiber mit seiner Rute...
Und dann grölten wir alle im Männerchor das Lied vom offenen Himmelstor.
Und der Weihnachtsmann rief: Hossianna! Hepp, hepp! und versuchte samt Sack einen Solo-Step,
wobei er geschickt auf den Tischen sich tollte und plötzlich dumpf dröhnend zu Boden rollte.
Da ertönte rings `rum der fromme Appell: „Hebe die Beine und spute Dich schnell!“
Es klangen die Glocken, es fielen die Flocken, es qualmten die Socken, es eilten die Stunden,
acht Glasen, veer Klocken, ahoi holder Knabe mit goldenen Locken,
kein Auge blieb trocken, und dem Weihnachtsmann sah man nur groggen und groggen!
Der Wirt war am Bierhahn längst eingeschlafen.
Es tuteten weihnachtlich-milde vom Hafen die Werft- und die Schiffssirenen. Aber noch immer gab einer
der Engel nicht Ruh mit dem christlichen Liebesgequängel und flocht, um den Weihnachtsmann zu verwöhnen,
Bierdeckel in seinen Bart und Brezelgeschmeide und sprach:“Ich verkündige Dir große Freude...“

Der Weihnachtsmann ergriff den Sack, „Du Naseweis, Du Schelmenpack, Du Aufgebundene
bis untenhin, Du glaubst wohl nicht, daß ich der Weihnachtsmann bin?“ Und fing an zu weinen.
Von einer Marie, die eigentlich eine Jungfrau hold. Auf dem Heiligengeistfeld habe er sie überredet,
zu etwas, was sie von selbst nie gewollt. Aber Weihnachten dürfe ihn keine verführen-
und begab sich hinaus auf die Reeperbahn (den Sack auf dem Rücken, auf allen vieren,
vermied er es klug, die Balance zu verlieren), wobei er entsetzlich zu grölen begann:
„Die Menschen, die haben keine Frömmigkeit nicht!“
Und entschwankte zur Fähre...zur ersten Schicht.