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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jochen Garrn, Handbuch für Decksleute auf Traditionsschiffen


second mate
18.03.2006, 17:19
Jochen Garrn, Handbuch für Decksleute auf Traditionsseglern
DSV-Verlag, Hamburg 2004, 300 Seiten, ISBN 3-88412-403-x, Preis:Euro 32.00
Clipper-Steuermann Jochen Garrn, nicht nur auf unseren Vereinsschiffen, sondern auch auf anderen klassischen Seglern wie ALEXANDER VON HUMBOLDT oder ROALD AMUNDSEN zu Hause und in der Szene als eifriger Verfechter traditioneller Seemannschaft weithin bekannt, griff mal nicht zum Marlspieker, sondern zur zur Feder und verfaßte ein Vademecum der besonderen Art, dem man anmerkt, daß es einer Herzensangelegenheit des Autors entsprang. Zielsetzung dabei war, die aktuelle Situation der Decksleute auf den verbliebenen Traditionsseglern von heute zu berücksichtigen und speziell deren Belange und Probleme in den Mittelpunkt zu stellen. Hierzu gehört beispielweise der Aspekt, daß das unabdingbare Zusammenwirken bei der Bearbeitung des Schiffes in immer wieder neu und ad hoc zusammengewürfelten crews besonderer Aufmerksamkeit sowohl der anordnenden wie der ausführenden Seite bedarf. Oder der Umstand, daß eine kontinuierliche Ausbildung vom Jungen zum Vollmatrosen, wie in der Berufsschiffahrt üblich, nicht möglich und auch nicht beabsichtigt ist. Weiterhin ist es ein Anliegen des Verfassers, dem Phänomen der Betriebsblindheit, die auch und gerade den routinierten Fahrensmann erfassen kann, entgegenzuwirken.
Die Darstellung beginnt mit Grundlagenwissen zu Sicherheit, Rudertörn, Ausguck, Wacheinteilung und dergleichen, dann geht es sehr schnell konkret ans Rigg. Von den Basis-Handgriffen spannt sich dabei der Bogen bis hin zu komplexen Segelvorgängen wie Wenden, Halsen und Mann-über-Bord-Manöver. Endlich wird hier, wie auch in den übrigen Abschnitten des Buches einmal der alte Seefahrtsspruch „Andere Schiffe-andere Langspleiße!“ beherzigt und nicht eine Methode als die allein seligmachende gepriesen und alles andere als schlichtweg falsch gebrandmarkt. Auch wenn es den Vertretern der Antikopfschlag-Liga nicht gefällt: Man darf damit belegen, vorausgesetzt, man macht es fachmännisch!
Wichtig an Jochens Handbuch: Sicherheit wird stets im Gesamten wie im Detail groß geschrieben. Dem einen oder anderen Benutzer könnte das Kapitel Knoten und Spleiße zu breit gefaßt erscheinen. Der Rezensent findet’s gut, vor allem auch deshalb, weil die Verwendbarkeit der Knoten und ihr Einfluß auf die Bruchlast aus der Sicht des Praktikers im Gegensatz zu vielen Knotenbüchern gezielt dargestellt wird.
Der Band ist mit einprägsamen Zeichnungen und Skizzen ausgestattet, von denen man sich zu konkreten Einzelthemen, beispielsweise zum Festmachen an Ringen, gerne noch einige mehr gewünscht hätte. Ein eigener Abschnitt aus der Feder von Joachim Fielitz, Schiffsführer des Besanewers WILHELMINE VON STADE über die Besonderheiten des Segelns mit Plattbodenschiffen bietet Wissensgut, das man im deutschsprachigen Raum sonst nicht in gedruckter Form findet.
Der Band steht weniger in der Tradition der diversen Lehrbücher zur Seemannschaft und Traditionsschiffahrt, wie etwa Kusk oder der Gaffelfreund, sondern mehr in jener der angloamerikanischen Manuals und der speziellen Segelanweisungen, wie sie für etliche Großsegler existieren. Aufgrund der Materialfülle und des unmittelbaren Bezugs zur Praxis ist der vorliegende Titel sicher kein Mittel zum Auswendigpauken im stillen Kämmerlein. Der Rezensent meint, daß dieser Band abschnittsweise im Wechsel mit dem praktischen Segelbetrieb gelesen werden oder etwa bei auftretenden Fragen im Bordbetrieb zu Einzelfragen zu Rate gezogen werden sollte. Für den newcomer ist er sicherlich ein verläßlicher Ratgeber, für den Erfahrenen ein fundiertes Repetitorium, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass die Aus- und Weiterbildung der Decksleute auf den Traditionsschiffen zu einem erheblichen Maß in die Eigenverantwortung des Einzelnen gestellt ist.
© Wolfgang Bühling

clausi
23.03.2006, 10:12
Hallo wolfgang,
das klingt ja nach einem sehr interessanten buch, aber was um himmelswillen ist ein rezensent ( liege ich richtig mit meiner annahme , das es in diesem falle du bist)es gibt schon dolle fremdwörter,gott sei dank behersche ich sie nicht.
tschüss clausi

second mate
23.03.2006, 14:21
1, Der Ober-Moderator: Stellen Sie keine überflüssigen Beiträge ins Forum, nur um Ihren Rang zu erhöhen!
2, Der Osterhase bringt Dir einen Fremdwörterduden
Grüße
Wolfgang

sechmo
06.05.2006, 21:22
Folgende Korrekturen habe ich von Jochen Garrn für sein Buch erhalten:

Seite 159: Text vom Bild von "Poller" auf >Beting< ändern.
Seite 225: Bild 6: seitenverkehrt gedruckt.
Seite 227: unteres Bild: das gleiche.
Seite 238: Punkt 4:Text muß heißen: Kardeele 2 - 6 werden auch über >ein< Kardeel und unter zwei Kardeele gesteckt.
Seite 275: erste Zeile: "A" und "B" streichen, die bezogen sich auf Bilder, die nicht gedruckt wurden.

Gruß JENS

jk
14.05.2006, 20:58
Habe das Buch gelesen und mit persönlich fehlt ein Einführungsteil bzw. eine Abbildung, in der die verwendeten Fachbegriffe erklärt werden.

Die erste Hälfte des Buches war für mich allenfalls aus dem Zusammenhang zu verstehen.

Ansonsten steht viel nützliches drin und es ist ein bereicherndes Buch. Darf man also ruhig kaufen.

Viele Grüße

Jan

Klaus Nowak
24.06.2006, 21:44
Auch wenn ich dieses Buch nicht kenne, finde ich den Hinweis, Rezension auf ein neues Handbuch zu seemännischen Arbeiten gut – noch dazu wenn es aus Clipper-Kreisen kommt.

Nach zwei Törns mit der Amphi finde ich, dass es eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Interessen ist. Die einen fahren seit Jahren auf den Clipperschiffen aus Freude am Abenteuer, dem Leben im Team unter den Segeln ohne Interesse an seemännischen Handarbeiten, der seemännischen Tradition usw. Du stellst fest, dass sie trotz jahrelangem Segeln bei Clipper keine Kenntnisse zu Holepunkten der Stagsegel, zu Knoten oder anderen seemännischen Fachausdrücken haben. Sie haben aber große Freude am Törn.
Andere Deckshands streben Fachwissen an, tummeln sich in der Takelage und leisten wertvolle seemännische Arbeit auf dem Schiff.
Da die Crew’s und die Mitglieder des Clipper e.V. sich aus allen Altersklassen mit unterschiedlicher Interesse des Aufenthalts an Bord zusammensetzen, sollten wir auch die unterschiedlichen Beiträge – auch mit Fachtermini akzeptieren.
Lest doch noch einmal durch, wofür sich Clipper einsetzt, was das Anliegen des Vereins ist – „Die Bewahrung und Förderung seemännischer Traditionen!“ steht unter anderen drin!

Auf meinem ersten Törn erlebte ich eine Steuerfrau, die sich bemühte, ihrer Wache und anderen Interessierten verschiedene Knoten beizubringen. Das machte Spaß! Auf dem letzten Törn waren zwei Steuerleute – alte Seebären von einem früheren P-Liner und zwei Deckshands, die mit Akribie sich um Takelage und laufendes Gut kümmerten!

Ich habe auf einem anderen Segler bei Tagestörns erlebt, dass mit allen Gästen an Deck verschiedene Knoten geübt wurden.

Ich könnte mir vorstellen, dass bei Törns, wo im wesentliche Jugendliche eingeschrieben sind, außer dem Sicherheitsmanöver auch seemännische Handarbeiten gezeigt und geübt werden.
Ein Seil an Deck gespannt und dann mindestens 10 Knoten gelernt! Warum nicht am Spill ein Shanty und warum nicht die neue Wache traditionell geweckt. Warum nicht im Singsang, wenn die kurze Ruche der nacht zu Ende sein soll? Warum nicht der Ruf „Backen und Banken, wenn es ums Essen geht!“

Ich habe noch zwei Bücher im Schapp (Hanke und Wossidlo), die stelle ich gerne zur Verfügung, wenn daraus Brauchtum gefördert wird!

Klaus