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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ole Mortensøn, Fem Havne


second mate
18.03.2006, 17:26
Ole Mortensøn (Red.), Fem Havne.
Den industrialiserede havns opkomst og udvikling på Sydfyn og Øerne,
Langelands Museum, Rudkøbing 2005, 255 Seiten, Format 30x21 cm,
Preis: DEK 295.00, Bezug: Langelands Museum, Jens Winthersvej 12, DK-5900 Rudkøbing. Billiger, da ohne Versandkosten und Bankspesen, geht’s in den Museumsläden der genannten Museen.
Das 19. Jahrhundert bescherte den dänischen Provinzhäfen einen bemerkenswerten Aufschwung. Während in den Jahrhunderten zuvor Kopenhagen den Überseehandel fest in der Hand hatte, fanden sich beispielsweise mehr und mehr Schiffe der wachsenden Apenrader Flotte an den Küsten Asiens ein und ein historisches Foto zeigt vier große Svendborger Dreimastschoner in Savannah la Mar auf Jamaica. Die fortschreitende Industrialisierung brachte auch in Südfünen eine Zunahme des Warenumschlags zur See mit sich, die weit über die traditionelle Rolle der Schiffahrt als Inselversorger mit kleinen Einheiten hinaus ging. Unter der Ägide von Ole Mortensøn haben sich fünf Vertreter des „lokale museumsfolk“, also Experten der Museen in Svendborg, Faaborg, Rudkøbing, Marstal und Ærøskøbing auf die Spuren des Aufstiegs – und des Rückgangs- der Hafenplätze und ihrer Infrastruktur gemacht.
Beginnend mit Svendborg zeigt der Band auf, wie sich das wirtschaftliche Wachstum in der Entwicklung der Hafenanlagen, der hafentypischen Gebäude und des Zubehörs widerspiegelten. Geradezu exemplarisch hierfür kann die Mutation des „Holmen“ gelten, einem kaum über den Wasserspiegel ragenden Landrücken, mitten im natürlichen Hafen gelegen. Ursprünglich bei niedrigem Wasserstand als Weidefläche genutzt, siedeln sich verschiedene Erwerbszweige an, zunächst ein Salzwerk, zeitweise eine Abdeckerei. Dann kam ein Tonnenhof der Seezeichenbehörde dazu und –vorübergehend- eine Slipanlage, 1867 die heute noch existierende Werft Ring Andersen. Als von dieser sich 1916 die rasch expandierende Stahlschiffswerft abspaltet, kommt die Phase großer Umwälzungen für den Holmen, nunmehr Frederiksø genannt: Brückenschlag zur Stadt, Aufschüttung massiver Bollwerke, Errichtung umfangreicher Kaianlagen und Werfthallen, Verankerung von Schwimmdocks. Parallel dazu entwickelten sich die Liegeplatze auf der fünischen Seite des Hafenschlauchs mit Dampfmühlen, Packhäusern, Maschinenwerkstätten, Reedereibüros, Zoll- und Hafenamt.
In den folgenden Kapiteln stellen jeweils die lokalgeschichtlich beschlagenen Autoren die weiteren südfünischen Häfen vor. Besonders reizvoll ist hier der Vergleich untereinander, da sich naturgemäß inhaltliche Spannungsbögen, etwa zwischen dem Unterzentrum Svendborg und dem mehr ländlich geprägten Inselhafen Ærøskøbing, ergeben. Neben der Kauffahrtei werden jeweils auch Fischerei und der, in der „dänischen Südsee“ stets besonders wichtige Fährverkehr berücksichtigt.
Ein angehängter Kartenteil stellt die topographische Entwicklung der Hafenplätze durch die Jahrzehnte in visuell vergleichender Darstellung vor. Der Textteil selbst ist ausgiebig mit Reproduktionen historischer Gemälde, Pläne und Karten illustriert. Die sehr zahlreichen Fotodokumente sind sorgfältig kommentiert und bieten nicht selten absolut rare Perspektiven. So etwa eine Luftaufnahme des Marstaler Hafens, im Jahr 1935 noch gänzlich von Dreimastschonern und Galeasen dominiert. Die Bilder sind, über ihren schiffahrtshistorischen Gehalt hinaus, oft von einem unvergleichlichen Charme, sie zeigen eine Welt, in der Fleiß und Können einen bescheidenen Wohlstand begründeten. Und in der „Mehr sein als scheinen“ nicht vorgetragenes Motto, vielmehr gelebte Selbstverständlichkeit war. Von dieser dahingegangenen Epoche zeugen derzeit noch die verbliebenen Hafenanlagen mit den zughörigen baulichen Ensembles, auch wenn die einstige Betriebsamkeit dahin gegangen ist.
Es könnte leicht sein, daß auch diese Momentaufnahme in Kürze Geschichte ist. Schon machen sich Finanzspekulation und Spaßgesellschaft daran, die historisch gewachsene Topographie der Hafenplätze bis zur Unkenntlichkeit zu verbauen, wie man es bereits in Sønderborg, in Aalborg oder auch im norwegischen Tönsberg eindrücklich vor Augen geführt bekommt. Es gilt derzeit, die Hafenmilieus in ihren wesentlichen Strukturen und ihrem Charakter nach zu bewahren und sie mit neuem, sinnvollem Leben zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die vorliegende Dokumentation besondere Bedeutung und Gewicht.
© Wolfgang Bühling