second mate
27.03.2006, 11:46
Jens Kusk Jensen
Handbuch der praktischen Seemannschaft auf traditionellen Segelschiffen
Heel Verlag, Königswinter 1998, 450 Seiten, 545 Zeichnungen, Preis: Euro 20.00
Jens Kusk Jensen wurde 1866 auf der im Limfjord gelegenen Insel Mors geboren und verbrachte seine frühen Jahre zur See auf dänischen Schonern in der Schottlandfahrt, bevor er 1866 den ersten Teil der Steuermannsprüfung an der Seefahrtsschule Bogø ablegte. Während seiner Marinedienstzeit nahm er an einer Reise der Fregatte JYLLAND nach Westindien teil. Wie viele andere Dänen führte ihn die Suche nach einer Heuer in der großen Fahrt nach Hamburg, wo er auf der Brigg CRIEMHILDE für eine Reise um Kap Horn gemustert wurde. Aus dem Rigg gefallen, nutzte Jensen die Zeit der Rekonvaleszenz für die Anfertigung von Skizzen für seine spätere Publikation. Die zweite Reise mit CRIEMHILD führte ihn, nunmehr als 2. Steuermann, um den Erdball. Auf der englischen eisernen Bark BRITISH MONARCH erlebte er dann den ersten von insgesamt fünf Schiffsuntergängen seiner Seefahrerlaufbahn. Es folgten Reisen als Steuermann, unter anderem auf dem damals größten dänischen Segler, der Bark DANMARK, bevor Jensen mit dem Schoner SKJOLD sein erstes Kommando bekam. Nach 15 Jahren auf Segelschiffen übernahm er 1897 bis 1903 die Bauaufsicht von sechs in Holland für dänische Rechnung gebauten Dreimastschonern. Parallel zu dieser Tätigkeit arbeitete er an der Herausgabe sein Handbuches der Seemannschaft. Von 1904 bis 1922 fuhr er als Kapitän auf Dampfschiffen. Nachdem sich Jensen an Land zurückgezogen hatte, war er als nautischer Berater für das Seefahrtsmuseum in Kronborg tätig.
Als Jensen 1890 mit der Abfassung seines Handbuches begann, ahnte er wohl kaum, daß sein Werk wenige Jahrzehnte später zu einem schiffahrtshistorischen Dokument ersten Ranges werden sollte. Zwar hatte die Dampfschiffstonnage die der Segelschiffe zu diesem Zeitpunkt bereits eingeholt, jedoch gab es immer noch eine unübersehbare Zahl an Segelfahrzeugen. Und selbst im Jahre 1901, als die Vereinigung der dänischen Segelschiffsreedereien diesen Band herausgab, konnte sich die Mehrzahl der Schiffahrtsexperten nicht vorstellen, daß der Segelantrieb fünfzig Jahre später auch aus der kleinen und mittleren Fahrt verschwunden sein würde.
Der "Kusk" entstand also nicht aus der Perspektive des Historikers, wie die meisten anderen Titel, die uns über traditionelle Seefahrt zur Verfügung stehen. Hier wurde vielmehr von einem erfahrenen Segelschiffsführer aus der lebendig erfahrenen Handwerkskunst heraus der zusammengefaßte seemännische Wissensschatz in Form eines "Kochbuchs" für den Gebrauch an Bord und an den Seemannsschulen vorge-
legt. Und gerade diese Devise "aus der Praxis für die Praxis" ist es, die das Buch für den Clipper-Freund und alle anderen, die heute auf traditionellen Schiffen fahren, so wertvoll macht. Auf 450 Seiten wird praktisch jede Sparte der Bearbeitung klassisch geriggter Segler detailliert und gut verständlich abgehandelt. Von besonderem Interesse dürften für viele die Kapitel "Manöver unter Segeln" und "Instandsetzungsarbeiten" sein.
Das Buch besticht vor allem durch die über 500 Zeichnungen, die vom Autor selbst mit großem grafischen Talent und unübertroffener Sachkenntnis ausgeführt wurden. Wie in der Originalausgabe werden auch hier die Fachausdrücke in Deutsch, Dänisch und Englisch wiedergegeben Die der Übersetzung zugrundeliegende, stark überarbeitete Auflage von 1924 erlebte in Dänemark seither fünf Reprints und ist als „Sømandens Bibel“ in die maritime Literatur eingegangen.
Der RKE-Verlag Kiel ließ 1989 eine, übrigens fachlich gute, deutsche Übersetzung besorgen, die auf einen kleinen Kreis von Enthusiasten zielte. Der Preis des Buches war dementsprechend mit 120 Deutschen Mark recht stattlich. Spätere Nachdrucke aus dem Palstek-Verlag waren dann schon deutlich weniger „hochpreisig“ und nunmehr bietet der Heel-Verlag den Band zu wirklich käuferfreundlichen Konditionen an. Neben dem aus heutiger Sicht geschriebenen Band von Jochen Garrn gehört der Kusk in die Bibliothek des Traditionsschiff-Fahrers.
© Wolfgang Bühling
Handbuch der praktischen Seemannschaft auf traditionellen Segelschiffen
Heel Verlag, Königswinter 1998, 450 Seiten, 545 Zeichnungen, Preis: Euro 20.00
Jens Kusk Jensen wurde 1866 auf der im Limfjord gelegenen Insel Mors geboren und verbrachte seine frühen Jahre zur See auf dänischen Schonern in der Schottlandfahrt, bevor er 1866 den ersten Teil der Steuermannsprüfung an der Seefahrtsschule Bogø ablegte. Während seiner Marinedienstzeit nahm er an einer Reise der Fregatte JYLLAND nach Westindien teil. Wie viele andere Dänen führte ihn die Suche nach einer Heuer in der großen Fahrt nach Hamburg, wo er auf der Brigg CRIEMHILDE für eine Reise um Kap Horn gemustert wurde. Aus dem Rigg gefallen, nutzte Jensen die Zeit der Rekonvaleszenz für die Anfertigung von Skizzen für seine spätere Publikation. Die zweite Reise mit CRIEMHILD führte ihn, nunmehr als 2. Steuermann, um den Erdball. Auf der englischen eisernen Bark BRITISH MONARCH erlebte er dann den ersten von insgesamt fünf Schiffsuntergängen seiner Seefahrerlaufbahn. Es folgten Reisen als Steuermann, unter anderem auf dem damals größten dänischen Segler, der Bark DANMARK, bevor Jensen mit dem Schoner SKJOLD sein erstes Kommando bekam. Nach 15 Jahren auf Segelschiffen übernahm er 1897 bis 1903 die Bauaufsicht von sechs in Holland für dänische Rechnung gebauten Dreimastschonern. Parallel zu dieser Tätigkeit arbeitete er an der Herausgabe sein Handbuches der Seemannschaft. Von 1904 bis 1922 fuhr er als Kapitän auf Dampfschiffen. Nachdem sich Jensen an Land zurückgezogen hatte, war er als nautischer Berater für das Seefahrtsmuseum in Kronborg tätig.
Als Jensen 1890 mit der Abfassung seines Handbuches begann, ahnte er wohl kaum, daß sein Werk wenige Jahrzehnte später zu einem schiffahrtshistorischen Dokument ersten Ranges werden sollte. Zwar hatte die Dampfschiffstonnage die der Segelschiffe zu diesem Zeitpunkt bereits eingeholt, jedoch gab es immer noch eine unübersehbare Zahl an Segelfahrzeugen. Und selbst im Jahre 1901, als die Vereinigung der dänischen Segelschiffsreedereien diesen Band herausgab, konnte sich die Mehrzahl der Schiffahrtsexperten nicht vorstellen, daß der Segelantrieb fünfzig Jahre später auch aus der kleinen und mittleren Fahrt verschwunden sein würde.
Der "Kusk" entstand also nicht aus der Perspektive des Historikers, wie die meisten anderen Titel, die uns über traditionelle Seefahrt zur Verfügung stehen. Hier wurde vielmehr von einem erfahrenen Segelschiffsführer aus der lebendig erfahrenen Handwerkskunst heraus der zusammengefaßte seemännische Wissensschatz in Form eines "Kochbuchs" für den Gebrauch an Bord und an den Seemannsschulen vorge-
legt. Und gerade diese Devise "aus der Praxis für die Praxis" ist es, die das Buch für den Clipper-Freund und alle anderen, die heute auf traditionellen Schiffen fahren, so wertvoll macht. Auf 450 Seiten wird praktisch jede Sparte der Bearbeitung klassisch geriggter Segler detailliert und gut verständlich abgehandelt. Von besonderem Interesse dürften für viele die Kapitel "Manöver unter Segeln" und "Instandsetzungsarbeiten" sein.
Das Buch besticht vor allem durch die über 500 Zeichnungen, die vom Autor selbst mit großem grafischen Talent und unübertroffener Sachkenntnis ausgeführt wurden. Wie in der Originalausgabe werden auch hier die Fachausdrücke in Deutsch, Dänisch und Englisch wiedergegeben Die der Übersetzung zugrundeliegende, stark überarbeitete Auflage von 1924 erlebte in Dänemark seither fünf Reprints und ist als „Sømandens Bibel“ in die maritime Literatur eingegangen.
Der RKE-Verlag Kiel ließ 1989 eine, übrigens fachlich gute, deutsche Übersetzung besorgen, die auf einen kleinen Kreis von Enthusiasten zielte. Der Preis des Buches war dementsprechend mit 120 Deutschen Mark recht stattlich. Spätere Nachdrucke aus dem Palstek-Verlag waren dann schon deutlich weniger „hochpreisig“ und nunmehr bietet der Heel-Verlag den Band zu wirklich käuferfreundlichen Konditionen an. Neben dem aus heutiger Sicht geschriebenen Band von Jochen Garrn gehört der Kusk in die Bibliothek des Traditionsschiff-Fahrers.
© Wolfgang Bühling