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second mate
02.04.2006, 13:29
Ursula Feldkamp (Hrsg.) Rund Kap Hoorn
Mit Frachtseglern zur Westküste Amerikas, Verlag Hauschild, Bremen 2003, Preis: Euro 24.50

Im November 2003 eröffnete das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven eine Dauerausstellung zur Kap Hoornfahrt, an der deutsche Reedereien sehr früh beteiligt waren und and der sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblichen Anteil hatten. Die Herausgeberin erwähnt im Vorwort die Fragestellungen, welche im Rahmen der Ausstellung zu beantworten waren: Wie kommt es zu den extremen Wetterlagen vor Kap Horn? Warum fuhren die Segler trotz der großen Gefahren um dieses stürmische Kap? Wie haben die Kapitäne und Seeleute die schwierigen Reisen bewältigt? Wie haben sie unterwegs gelebt und gearbeitet? Was erwartete die Kaufleute, Reeder und Schiffsbesatzungen an der Westküste Amerikas? Die thematische Vielschichtigkeit wurde auch auf das vorliegende Buch, das als Begleitband zu besagter Ausstellung herausgegeben wurde, übertragen.
Nach einer kurzen Einleitung der Herausgeberin über die Gefahren und Risiken der Kap Hoornfahrt geht Walter Gröh auf die Entdeckungsfahrten von Magellan bis Cook in dieser Region ein. Daß diese Reisen auch im 18. Jahrhundert noch absoluten Expeditionscharakter hatten, zeigt das Beispiel des britischen Admirals Anson, der mit sieben Schiffen und über 2000 Mann ausgezogen war und nach 1366 Tagen nur mit seinem Flaggschiff und 300 Mann heimkehrte. Ursula Feldkamp berichtet im folgenden Aufsatz über die an der Wende zum 19. Jahrhundert einsetzende Frachtschiffahrt auf der Kap Hoornroute, zum damaligen Zeitpunkt von einem regelmäßigen Dienst immer noch weit entfernt und in Deutschland zunächst durch die Hamburger Firma Godeffroy repräsentiert.
Ein eigenes Kapitel ist der kurzen aber umtriebigen Epoche des 1848 ausgebrochenen Goldfiebers in Kalifornien gewidmet. In diesen Buchabschnitt fließen auch Betrachtungen zu den Auswanderungen nach Chile und den Auswandererseglern, sowie zu den Schnellseglern in der Kap Hoornflotte ein.
Die europäische Landwirtschaft, speziell die der Industrienationen, griff in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr zu Düngemitteln zur Produktionsintensivierung. Die Lieferung von Guano und später die Verschiffung von Salpeter von Chile nach Europa dominierte den Warenverkehr auf der Kap Hoornroute mehr und mehr. Walter A. Kozian trägt hierzu einen gestrafften, aber gehaltvollen Aufsatz zu Gewinnung und Transport des Salpeters bei. Wolfgang Walter untersucht in einem Exkurs auf der Basis statistischen Materials die Reisegeschwindigkeiten der Segler und bestätigt einmal mehr die herausragende Leistungsfähigkeit der großen, stählernen Laeisz-Schiffe.
Ein weiterer Kurzbeitrag erinnert an den Reeder Laeisz, seinen französischen Kollegen Bordes und an Gustav Erikson. Ausführungen über Leben und Gebräuche der Seeleute und über das Thema „Frauen an Bord“ beschließen den Band.
„Rund Kap Hoorn“ bringt dem einschlägig Belesenen viel Neues und Wichtiges, dem Newcomer bietet sich eine gut fundierte Darstellung, die sich auch zur Einführung in das Thema eignet. Bei der hervorragenden Ausstattung ergänzen sich eine optimale Motivauswahl der Gemälde, Fotos und Dokumente und die bekannt brillante Reproduktionsweise des Verlags. Erfreulich ist auch die insgesamt nüchterne und sachliche Diktion, die zur dringend notwendigen Entmytologiseriung der Kap Hoornfahrt beiträgt.
Gefallen hätte es dem Rezensenten, wenn man noch den ausgesprochenen Nischencharakter der Salpeterfahrt im 20. Jahrhundert besser herausgearbeitet hätte. Dabei müßten auch provokante Fragestellungen erlaubt sein, so zum Beispiel, ob die Kap Hoornfahrt in den zwanziger Jahren nicht auf der Basis unternehmerischer Halsstarrigkeit an einem Anachronismus festhielt, der unnötig vielen Seeleuten das Leben oder die Unversehrtheit kostete.
© Wolfgang Bühling