clausi
08.06.2006, 19:42
Hallo,für alle die es interessiert, hier mein Reisebericht von Törn 2271.
es war ein sehr schöner Törn.
Also viel Spass beim Lesen.
Euer Clausi.
Ein nicht ganz ernst gemeinter Reisebericht.
( Reise Nr. 2271 auf der Amphitrite von Kiel nach Arhus vom 20. – 27.05.2006
unter Kapitän Karl Walter Hartmann )
Sonnabend 20.05.2006
15.06 Uhr
Alles los, hinter diesen, so nüchteren Worten, niedergeschrieben im Schiffstagebuch, verbirgt sich das Schicksal von 29 Personen, an Bord des Toppsegelschoners Amphitrite.
Aus verschiedensten Stadtteilen Stenkelfelds sind sie zusammen gekommen um unter der Leitung von Herrn Kapitän Karl Walter Hörtmann eine Woche auf dem östlich von Stenkelfeld gelegenen See zu segeln.
17.15 Uhr
Nach dem Kompostieren des Kompasses ging das Schiff in der Hökendorfer Bucht, gegenüber der Stenkelfelder Seeschleuse mit zwei Schökeln zu Anker.
17.20 Uhr
Kapitän Karl Walter Hörtmann verkündet, das sich für das Wochenende nur noch 4 Rollen Toilettenpapier an Bord befinden. Das Schicksal nahm seinen Lauf.
17.21 Uhr
Chefmathematiker Arne G. errechnet blitzschnell, das pro Person und Tag doch immerhin 4 Blätter zur Verfügung stehen, die Lage also nicht ganz so aussichtslos sei.
17.22 Uhr
Die spontan, von Steuermann Claus K., gegründete Widerstandsgruppe beginnt darauf sofort mit den Vorbereitungen zum Kielholen.
17.35 Uhr
Die Schwarzmarktpreise für Toilettenpapier steigen in astronomische Höhen.
18.00 Uhr
Während die Widerstandsgruppe um Steuermann Claus K. noch diskutiert, ob man Längsschiff oder Querschiff Kielholen sollte, erklingt der mutige Ruf von Schiffsköchin Öngeborg P.: „Abendbrot“. Sie war trotz verschärfter Lage nicht davon abzubringen, reichlich aufzutischen, was sofortige Neukalkulationen der Toilettenpapierration zur Folge hatte.
18.03 Uhr
Obermaschinist Dieter M. machte den Vorschlag, die Köchin anzubinden. Die Situation wurde erst entschärft, als Kapitän Karl Walter Hörtmann anordnete, das Toilettenpapier beidseitig zu verwenden.
18.06 Uhr
An Deck wurde ein zweites Geschirr zum Kielholen aufgeriggt.
20.30 Uhr
Mit der aufkommenden Müdigkeit wurde das Thema Toilettenpapier abgelöst durch Lagerfeuerromantik im schönsten Salon diesseits des Äquators.
23.30 Uhr
Nach dem Genuss von etlichen Flaschen Sherry geriet die prekäre Situation in Vergessenheit.
23.50 Uhr
Das Kielholteam stellte seine Absichten vollends ein, da man alle Tampen doppelt sah und die Delinquenten derart in ihrer Koje schnarchten, dass sich niemand an sie heran traute.
Sonntag 21.05.2006
08.40 Uhr
Recht müde und ziemlich vorsichtig, nach dem Motto, was oben rein geht muß unten raus, wurde der Anker hoch geholt.
09.30 Uhr
Das erwartete Chaos beim Segel setzen blieb aus.
12.01 Uhr
Die B-Wache rühmt sich mit 8,6 Knoten und macht sich Hoffnung auf die Anwartschaft der Geschwindigkeitstrophäe.
12.25 Uhr
Hektische Freudenschreie der C-Wache machen diese Hoffnungen zu Nichte.
12.27 Uhr
Steuermann Rainer H. macht sich Gedanken darüber, wie er die zusätzliche Flasche Sherry in seinen Ausgaben verbuchen kann. Seine letzte Hoffnung liegt bei der A-Wache. Doch wie sich später heraus stellte war diese Hoffnung umsonst.
12.32 Uhr
Die noch tätige Widerstandsgruppe von Steuermann Claus K. wittert Betrug und setzt das Gerücht in Umlauf, die C-Wache sei gehörig abgefallen um Geschwindigkeit aufzunehmen.
16.00 Uhr
Bei der ersten Halse werden die Gemüter jedoch wieder abgekühlt und die Freude über gelungene Zusammenarbeit überwiegt.
18.30 Uhr
Nach einem fulminanten Abendessen kam erneut die Diskussion auf, was man mit den nunmehr 2 Blatt Toilettenpapier pro Person anfangen solle.
18.40 Uhr
Obermaschinist Dieter M. erstickt alle Hoffnungen der Mitsegler, da er die Benutzung jeglichen selbst gebastelten Toilettenpapiers untersagt.
18.42 Uhr
Auf dem Oberdeck hört man deutlich Geräusche, die auf ein Klarmachen der, mittlerweile stationär angebrachten, Kielholvorrichtung schließen lassen .Steuermann Claus K. ist nirgendwo zu sehen.
Den Rest der Nacht bleibt es ruhig, außer den Schnarchern schläft niemand.
Montag 22.05.2006
08.00 Uhr
Obwohl das Toilettenpapier nun fast gänzlich verbraucht ist wird fleißig Gebrauch von angebotenen Lebensmitteln gemacht.
08.10 Uhr
Der Vorschlag von Steuermann Claus K., ein Allemansend anzufertigen findet immer mehr Befürworter.
09.45 Uhr
Steuermann Claus K. wird dabei beobachtet, wie er im Klüvernetz sein Allemansend beim Anknoten verliert. Selbst das aufopferische Anbringen verlorengegangener Stagreiter am Flieger sorgt nicht für Ruhe.
09.50 Uhr
Erst das beherzte Eingreifen von Kapitän Karl Walter Hörtmann lenkt die Wut der Meute auf ihn, als er verkündet, das sich die Ankunftszeit in Kopenhagen durch diesen Vorfall noch um eine weitere Stunde nach hinten schiebt.
09.51 Uhr
Obwohl sich Steuermann Claus K. noch im Klüvernetz befindet, macht sich seine Widerstandstruppe selbstständig daran die Kielholvorrichtung klarzumachen. Als Claus K. dies aus der Ferne beobachtete war er sichtlich stolz auf seine Leute.
18.30 Uhr
Mit glasigen Augen und hochroten Köpfen legt man ganz vorsichtig in Kopenhagen an. Jegliche Erschütterungen werden vermieden.
18.32 Uhr
Dem, an der Pier wartenden, Besuch von Karl Walter Hörtmann werden die mitgebrachten Klopapierrollen aus der Hand gerissen.
18.45 Uhr
Köchin Öngeborg verteilt Schnittchen in den Watreschlangen vor den Klos. Die Gangway steht halb aufgeriggt an der Pier.
19.05 Uhr
Der Obermaschinist Dieter M. beseitigt fluchend die Verstopfung auf dem Steuerbord Klo.
20.15 Uhr
Sichtlich erleichtert und ohne Blähbauch wird Steuermann Claus K. dabei belauscht, wie er einem Pölserverkäufer versucht klarzumachen, dass er durchaus in der Lage sei 5 Pölser in Folge zu essen.
Dienstag 23.05.2006
08.30 Uhr
An Deck werden die Folgeschäden von zu frühem Duschen diskutiert. Mitten in die Diskussion bricht die frisch geduschte Stefanie B. und verwirrt die männlichen Duschgegner so sehr, dass sich kurz darauf mehrere Männer zur Dusche begeben.
15.27 Uhr
Nach einem ruhigen Ablegemanöver und einem reibungslosen Setzen der Breitfock spitzt sich die Lage beim Bergen derselben zu. Steuermann Claus K. wurde dabei beobachtet wie er derwischartig an Deck herum hüpfte. Er konnte wegen eines Meniskusschadens nicht selber aufentern. Seinem Psychiater wird er später erzählen, er litt an schwersten Entzugserscheinungen. Der Wachführer der C-Wache Michael W. musste ihn mehrmals davon abhalten selbst nach oben zu klettern.
16.00 Uhr
Starker Regen setzt wiederholt ein.
16.50 Uhr
Das Schiff macht fest in Landskrona.
16.52 Uhr
Duschfetischistin Stefanie B. wird mit Duschutensilien an der Pier gesehen.
16.55 Uhr
Eine Duschkarawane bleibt diesmal aus, da die Hälfte der Crew damit beschäftigt ist, ihre Kojen trocken zu kriegen.
Mittwoch 24.05.2006
09.00 Uhr
Eine vermummte Person wird an der Pier mit Kulturbeutel entdeckt. Frisch geduschte Frauen werden nachher unter Eid aussagen, das es sich dabei um Stefanie B. handelte.
09.10 Uhr
Heftzwecken und Folie werden verteilt, um eventuelle Leckagen Unterkante Oberdeck abzudichten.
09.25 Uhr
Nach ersten abgebrochenen Heftzwecken wird der Vorschlag diskutiert, ob man nicht doch das Eichenholz mit einem 0,01 mm Holzbohrer vorbohren sollte.
09.28 Uhr
Obermaschinist Dieter M. macht alle Hoffnungen zu Nichte, da er zugeben muss, dass er leider keinen passenden Gewindeschneider für Heftzwecken an Bord hat.
09.30 Uhr
Das mittlerweile an Backbord aufgeriggte Kielholgeschirr wird von letzten Spinneweben beseitigt.
09.45 Uhr
Kapitän Karl Walter Hörtmann beschließt dem Treiben ein Ende zu bereiten und verlegt den Auslauftermin kurzerhand vor.
09.46 Uhr
Es gelingt dem Kapitän den Obermaschinisten von hastig übergeworfenen Tampen zu befreien.
10.10 Uhr
Das nun folgende Segelsetzen sollte Steuermann Claus K. an den Rand der Verzweiflung bringen. Er demonstrierte beim Setzen des Großtopps glaubhaft, das der Vorführeffekt auch nach hinten los gehen kann.
11.30 Uhr
Auf dem Achterdeck intoniert der hastig ins Leben gerufene gemischte Chor „ 4 Sänger , 5 Stimmen“ die Hymne „ Einmal geht’s noch , einmal geht’s noch hoch“
11.31 Uhr
Steuermann Claus K. verlässt völlig entnervt die Szene. Böse Zungen behaupten, es wird Wochen dauern, sein angeknackstes Ego zu therapieren.
11.33 Uhr
Wird er jedoch, allen Analysen zum Trotz mit einem Trostpflaster von einer Kiste Becks wieder auftauchen. Er wurde dann im Laufe des Tages nur noch auf seiner Wache gesehen.
Donnerstag 25.05.2006
00.00 Uhr
Regen beginnt.
00.01 Uhr
Es geht das Gerücht um, dass der Steuermann der A-Wache für den Regen zuständig sei.
00.03 Uhr
Im Dunkeln werden Geräusche vernommen, die auf das erneute Aufriggen der Kielholvorrichtung hindeuten.
00.04 Uhr
Steuermann Claus K. verschanzt sich im Ruderhaus und beteuert, dass er nichts mit dem Regen zu tun habe, schließlich würde es ja im Ruderhaus nicht regnen.
00.10 Uhr
Das Aufbrechen des Ruderhauses wird abrupt abgebrochen, als ein Mitsegler der C-Wache mit der Nachricht an Deck kommt, dass sämtliche Kojen mehr oder weniger voll Wasser stehen.
00.15 Uhr
Erste Kämpfe um trockene Schlafplätze in der Messe brechen aus. Alleine diesem glücklichen Zustand verdankt es Steuermann Claus K., dass er wieder freien Zugang zum Oberdeck hat.
04.00 Uhr
Pünktlich übergibt die A-Wache einen regenfreien Himmel.
05.00 Uhr
Wird Steuermann Claus K., in der Koje liegend, von Regentropfen, die auf seine Nase tropfen, geweckt.
05.01 Uhr
Veranstaltet Claus K. schlaftrunken einen Freudentanz in seiner Kammer, in vollem Bewusstsein, dass er den Beinamen „Regenmacher“ nun nicht mehr alleine trägt.
11.45 Uhr
Fest in Kolby Kas.
11.52 Uhr
Aus Ermangelung an Duschmarken läuft Stefanie B. an der Pier Streife, um den Hafenmeister abzufangen.
13.24 Uhr
Die Lage spitzt sich erneut zu, als Obermaschinist Dieter M. von Mitseglerin Elke A. leichtsinnigerweise darauf angesprochen wurde ob man in seinem Heizungskeller Sachen zum Trocknen aufhängen dürfte.
13.25 Uhr
Verlässt Obermaschinist Dieter M. mit den Worten: „Er sei doch kein Hausmeister“, wütend das Oberdeck um sich grummelnder Weise im Maschinenraum zu verschanzen.
13.28 Uhr
Hört man den markerschütternden Schrei von Obermaschinist Dieter M.: „Wo sind meine Maschinen“
13.30 Uhr
Erst das beherzte Eingreifen von Kapitän Karl Walter Hörtmann, der dem Obermaschinisten erklärt, das sich seine Maschinen hinter den zum trocknen aufgestapelten Matratzen befinden, lässt die Lage wieder entspannen.
13.32 Uhr
Obermaschinist Dieter M. wird dabei beobachtet wie er abwechselnd die wieder gefundene Steuerbord und Backbord Maschine streichelt.
18.30 Uhr
Alle, außer Steuermann Claus K haben geduscht. Der Rest des Abends verläuft trotzdem ohne Zwischenfälle. An der Kielholvorrichtung verrotten mittlerweile die Tampen.
Freitag 26.05.2006
08.30 Uhr
Auf Drängen seiner Mitsegler lässt sich Claus K. endlich erweichen, Duschen zu gehen. Die Frischewirkung hält allerdings nur bis zum Überstreifen des, von ihm liebevoll gepflegten und seit Jahren ungewaschenen, nur an Bord getragenen, von seiner lieben Ehefrau selbst gestrickten Norwegerpullis an.
17.15 Uhr
Eine Hastig aufgehängte Bekanntmachung des Festkommitees sorgt für erneute Aufregung im Schiff.
17.20 Uhr
Aufgescheuchte Mitsegler gehen verzweifelt auf Krawattensuche, um der Kleiderordnung für den anstehenden Abschlussabend zu genügen.
19.00 Uhr
Nach einem opulenten Curryessen wird Schiffsköchin Öngeborg P. mit einem Kochlöffel der Marke „größer ging nicht“ für ihre außerordentliche Leistung ausgezeichnet. Erstmals auf dieser Reise sind sich alle einig.
20.00 Uhr
Der Rest des Abends wird durch zahlreiche Darbietungen, die immer wieder, von dem mittlerweile recht sangesfreudigen Bordchor, angeführt von Kapitän Karl Walter Hörtmann, mit dem heimlich einstudierten Choral: „Lumumba“, unterbrochen werden, aufgeheitert.
Sonnabend 27.05.2006
05.30 Uhr
Unruhe macht sich im Vorschiff breit.
05.45 Uhr
Der soeben gegründete Verein „Pack’ s an“, beginnt, zum Erstaunen der restlichen, noch sehr verschlafener Lumumba gezeichneter Gesichter ihrer Mitsegler zum Trotz, mit der Verwirklichung ihres Vereinsgrundsatzes: „wie perfektioniere ich das Simultan Seesack Packen mit 8 Personen auf engstem Raum“
06.00 Uhr
Während die Vereinsmitglieder damit beschäftigt sind die begebare Fläche des Vorschiffes auf ein Minimum zu begrenzen, machen sich einige ihrer Kammergenossen daran, immer noch schlaftrunken, die mittlerweile abgetakelte Kielholvorrichtung zu suchen.
07.30 Uhr
Das anberaumte Frühstück entschärft die Lage wieder etwas.
07.40 Uhr
Stefanie B. betritt ungeduscht die Messe. Sie wird später dabei beobachtet, wie sie beim Anblick des, für das anstehende Ankerhieven klargelegten, Deckwaschschlauches hysterisch: „Dusche, Dusche “ schreit.
08.45 Uhr
Unter lautem Gejohle, der anwesenden Männer, hieven die Damen den Anker, sichtlich motiviert von dazwischen gerufenen Phrasen wie: „ihr schafft das doch nicht“ und „das haben wir auch schon mal schneller gesehen“ in einer Rekordzeit die auch den letzten männlichen Kritiker verstummen lässt.
09.03 Uhr
Es gelingt Kapitän Karl Walter Hörtmann , zu seinem Erstaunen , nicht, die restlichen Mitsegler von seinem spontan erfundenen Spiel : „wir wechseln die Landseite, mit dazu gehörendem umbrassen der Breitfockrah“ zu begeistern.
09.04 Uhr
Die Widerstandsgruppe um Steuermann Claus K. formiert sich erneut.
09.40 Uhr
Die gesamte Mannschaft versammelt sich zum Gruppenfoto.
09.45 Uhr
Die plötzlich verschwundene Sonne macht ein totales Neuschminken der Darsteller notwendig, da die veränderten Lichtverhältnisse nicht ausreichen, um Daheimgebliebenen Familienmitgliedern den Erholungszweck der Reise erfolgreich darzustellen.
09.50 Uhr
Die Widerstandsgruppe von Claus K. formiert sich auf dem Vorschiff um ein aktuelles Fahndungsfoto zu erstellen.
10.02 Uhr
Der Steuermann Dieter K. beginnt, viel zu spät, wie sich herausstellt, mit seinem Kurs „ wie häkle ich mir ein Gangwaynetz“.
11.11 Uhr
organisiert Widerstandskämpfer Claus K., gegen den Willen von Kapitän Karl Walter Hörtmann, 10 Flaschen Bier.
11.12 Uhr
Alle Flaschen haben ihren Besitzer gefunden.
13.22 Uhr
Das Warten hat ein Ende, der Bus fährt ab.
13.23 Uhr
Chefmathematiker Arne G. unterzieht die Gurte im Bus einer Baumusterprüfung. Steuermann Claus K. kann nur durch das beherzte Verteilen von Haribo verhindern, das eine Massenpanik entsteht.
16.30 Uhr
Ankunft in Kiel. Der Topsegelschoner Amphitrite ist nicht mehr. Vor dem Bus spielen sich rührende Abschiedsszenen ab. Erschöpfte Menschen mit müden Gesichtern liegen sich in den Armen. Menschen wie du und ich, die nur einmal eine Woche auf dem, östlich von Stenkelfeld gelegenem See, segeln wollten.
Dieser Reisebericht wurde verfasst von Claus Kästner.
Jegliche Ähnlichkeiten mit vorgefallenen Ereignissen sind beabsichtigt.
Füa fela kan iich nix , wi imma. Kattrepel den 05.06.2006
es war ein sehr schöner Törn.
Also viel Spass beim Lesen.
Euer Clausi.
Ein nicht ganz ernst gemeinter Reisebericht.
( Reise Nr. 2271 auf der Amphitrite von Kiel nach Arhus vom 20. – 27.05.2006
unter Kapitän Karl Walter Hartmann )
Sonnabend 20.05.2006
15.06 Uhr
Alles los, hinter diesen, so nüchteren Worten, niedergeschrieben im Schiffstagebuch, verbirgt sich das Schicksal von 29 Personen, an Bord des Toppsegelschoners Amphitrite.
Aus verschiedensten Stadtteilen Stenkelfelds sind sie zusammen gekommen um unter der Leitung von Herrn Kapitän Karl Walter Hörtmann eine Woche auf dem östlich von Stenkelfeld gelegenen See zu segeln.
17.15 Uhr
Nach dem Kompostieren des Kompasses ging das Schiff in der Hökendorfer Bucht, gegenüber der Stenkelfelder Seeschleuse mit zwei Schökeln zu Anker.
17.20 Uhr
Kapitän Karl Walter Hörtmann verkündet, das sich für das Wochenende nur noch 4 Rollen Toilettenpapier an Bord befinden. Das Schicksal nahm seinen Lauf.
17.21 Uhr
Chefmathematiker Arne G. errechnet blitzschnell, das pro Person und Tag doch immerhin 4 Blätter zur Verfügung stehen, die Lage also nicht ganz so aussichtslos sei.
17.22 Uhr
Die spontan, von Steuermann Claus K., gegründete Widerstandsgruppe beginnt darauf sofort mit den Vorbereitungen zum Kielholen.
17.35 Uhr
Die Schwarzmarktpreise für Toilettenpapier steigen in astronomische Höhen.
18.00 Uhr
Während die Widerstandsgruppe um Steuermann Claus K. noch diskutiert, ob man Längsschiff oder Querschiff Kielholen sollte, erklingt der mutige Ruf von Schiffsköchin Öngeborg P.: „Abendbrot“. Sie war trotz verschärfter Lage nicht davon abzubringen, reichlich aufzutischen, was sofortige Neukalkulationen der Toilettenpapierration zur Folge hatte.
18.03 Uhr
Obermaschinist Dieter M. machte den Vorschlag, die Köchin anzubinden. Die Situation wurde erst entschärft, als Kapitän Karl Walter Hörtmann anordnete, das Toilettenpapier beidseitig zu verwenden.
18.06 Uhr
An Deck wurde ein zweites Geschirr zum Kielholen aufgeriggt.
20.30 Uhr
Mit der aufkommenden Müdigkeit wurde das Thema Toilettenpapier abgelöst durch Lagerfeuerromantik im schönsten Salon diesseits des Äquators.
23.30 Uhr
Nach dem Genuss von etlichen Flaschen Sherry geriet die prekäre Situation in Vergessenheit.
23.50 Uhr
Das Kielholteam stellte seine Absichten vollends ein, da man alle Tampen doppelt sah und die Delinquenten derart in ihrer Koje schnarchten, dass sich niemand an sie heran traute.
Sonntag 21.05.2006
08.40 Uhr
Recht müde und ziemlich vorsichtig, nach dem Motto, was oben rein geht muß unten raus, wurde der Anker hoch geholt.
09.30 Uhr
Das erwartete Chaos beim Segel setzen blieb aus.
12.01 Uhr
Die B-Wache rühmt sich mit 8,6 Knoten und macht sich Hoffnung auf die Anwartschaft der Geschwindigkeitstrophäe.
12.25 Uhr
Hektische Freudenschreie der C-Wache machen diese Hoffnungen zu Nichte.
12.27 Uhr
Steuermann Rainer H. macht sich Gedanken darüber, wie er die zusätzliche Flasche Sherry in seinen Ausgaben verbuchen kann. Seine letzte Hoffnung liegt bei der A-Wache. Doch wie sich später heraus stellte war diese Hoffnung umsonst.
12.32 Uhr
Die noch tätige Widerstandsgruppe von Steuermann Claus K. wittert Betrug und setzt das Gerücht in Umlauf, die C-Wache sei gehörig abgefallen um Geschwindigkeit aufzunehmen.
16.00 Uhr
Bei der ersten Halse werden die Gemüter jedoch wieder abgekühlt und die Freude über gelungene Zusammenarbeit überwiegt.
18.30 Uhr
Nach einem fulminanten Abendessen kam erneut die Diskussion auf, was man mit den nunmehr 2 Blatt Toilettenpapier pro Person anfangen solle.
18.40 Uhr
Obermaschinist Dieter M. erstickt alle Hoffnungen der Mitsegler, da er die Benutzung jeglichen selbst gebastelten Toilettenpapiers untersagt.
18.42 Uhr
Auf dem Oberdeck hört man deutlich Geräusche, die auf ein Klarmachen der, mittlerweile stationär angebrachten, Kielholvorrichtung schließen lassen .Steuermann Claus K. ist nirgendwo zu sehen.
Den Rest der Nacht bleibt es ruhig, außer den Schnarchern schläft niemand.
Montag 22.05.2006
08.00 Uhr
Obwohl das Toilettenpapier nun fast gänzlich verbraucht ist wird fleißig Gebrauch von angebotenen Lebensmitteln gemacht.
08.10 Uhr
Der Vorschlag von Steuermann Claus K., ein Allemansend anzufertigen findet immer mehr Befürworter.
09.45 Uhr
Steuermann Claus K. wird dabei beobachtet, wie er im Klüvernetz sein Allemansend beim Anknoten verliert. Selbst das aufopferische Anbringen verlorengegangener Stagreiter am Flieger sorgt nicht für Ruhe.
09.50 Uhr
Erst das beherzte Eingreifen von Kapitän Karl Walter Hörtmann lenkt die Wut der Meute auf ihn, als er verkündet, das sich die Ankunftszeit in Kopenhagen durch diesen Vorfall noch um eine weitere Stunde nach hinten schiebt.
09.51 Uhr
Obwohl sich Steuermann Claus K. noch im Klüvernetz befindet, macht sich seine Widerstandstruppe selbstständig daran die Kielholvorrichtung klarzumachen. Als Claus K. dies aus der Ferne beobachtete war er sichtlich stolz auf seine Leute.
18.30 Uhr
Mit glasigen Augen und hochroten Köpfen legt man ganz vorsichtig in Kopenhagen an. Jegliche Erschütterungen werden vermieden.
18.32 Uhr
Dem, an der Pier wartenden, Besuch von Karl Walter Hörtmann werden die mitgebrachten Klopapierrollen aus der Hand gerissen.
18.45 Uhr
Köchin Öngeborg verteilt Schnittchen in den Watreschlangen vor den Klos. Die Gangway steht halb aufgeriggt an der Pier.
19.05 Uhr
Der Obermaschinist Dieter M. beseitigt fluchend die Verstopfung auf dem Steuerbord Klo.
20.15 Uhr
Sichtlich erleichtert und ohne Blähbauch wird Steuermann Claus K. dabei belauscht, wie er einem Pölserverkäufer versucht klarzumachen, dass er durchaus in der Lage sei 5 Pölser in Folge zu essen.
Dienstag 23.05.2006
08.30 Uhr
An Deck werden die Folgeschäden von zu frühem Duschen diskutiert. Mitten in die Diskussion bricht die frisch geduschte Stefanie B. und verwirrt die männlichen Duschgegner so sehr, dass sich kurz darauf mehrere Männer zur Dusche begeben.
15.27 Uhr
Nach einem ruhigen Ablegemanöver und einem reibungslosen Setzen der Breitfock spitzt sich die Lage beim Bergen derselben zu. Steuermann Claus K. wurde dabei beobachtet wie er derwischartig an Deck herum hüpfte. Er konnte wegen eines Meniskusschadens nicht selber aufentern. Seinem Psychiater wird er später erzählen, er litt an schwersten Entzugserscheinungen. Der Wachführer der C-Wache Michael W. musste ihn mehrmals davon abhalten selbst nach oben zu klettern.
16.00 Uhr
Starker Regen setzt wiederholt ein.
16.50 Uhr
Das Schiff macht fest in Landskrona.
16.52 Uhr
Duschfetischistin Stefanie B. wird mit Duschutensilien an der Pier gesehen.
16.55 Uhr
Eine Duschkarawane bleibt diesmal aus, da die Hälfte der Crew damit beschäftigt ist, ihre Kojen trocken zu kriegen.
Mittwoch 24.05.2006
09.00 Uhr
Eine vermummte Person wird an der Pier mit Kulturbeutel entdeckt. Frisch geduschte Frauen werden nachher unter Eid aussagen, das es sich dabei um Stefanie B. handelte.
09.10 Uhr
Heftzwecken und Folie werden verteilt, um eventuelle Leckagen Unterkante Oberdeck abzudichten.
09.25 Uhr
Nach ersten abgebrochenen Heftzwecken wird der Vorschlag diskutiert, ob man nicht doch das Eichenholz mit einem 0,01 mm Holzbohrer vorbohren sollte.
09.28 Uhr
Obermaschinist Dieter M. macht alle Hoffnungen zu Nichte, da er zugeben muss, dass er leider keinen passenden Gewindeschneider für Heftzwecken an Bord hat.
09.30 Uhr
Das mittlerweile an Backbord aufgeriggte Kielholgeschirr wird von letzten Spinneweben beseitigt.
09.45 Uhr
Kapitän Karl Walter Hörtmann beschließt dem Treiben ein Ende zu bereiten und verlegt den Auslauftermin kurzerhand vor.
09.46 Uhr
Es gelingt dem Kapitän den Obermaschinisten von hastig übergeworfenen Tampen zu befreien.
10.10 Uhr
Das nun folgende Segelsetzen sollte Steuermann Claus K. an den Rand der Verzweiflung bringen. Er demonstrierte beim Setzen des Großtopps glaubhaft, das der Vorführeffekt auch nach hinten los gehen kann.
11.30 Uhr
Auf dem Achterdeck intoniert der hastig ins Leben gerufene gemischte Chor „ 4 Sänger , 5 Stimmen“ die Hymne „ Einmal geht’s noch , einmal geht’s noch hoch“
11.31 Uhr
Steuermann Claus K. verlässt völlig entnervt die Szene. Böse Zungen behaupten, es wird Wochen dauern, sein angeknackstes Ego zu therapieren.
11.33 Uhr
Wird er jedoch, allen Analysen zum Trotz mit einem Trostpflaster von einer Kiste Becks wieder auftauchen. Er wurde dann im Laufe des Tages nur noch auf seiner Wache gesehen.
Donnerstag 25.05.2006
00.00 Uhr
Regen beginnt.
00.01 Uhr
Es geht das Gerücht um, dass der Steuermann der A-Wache für den Regen zuständig sei.
00.03 Uhr
Im Dunkeln werden Geräusche vernommen, die auf das erneute Aufriggen der Kielholvorrichtung hindeuten.
00.04 Uhr
Steuermann Claus K. verschanzt sich im Ruderhaus und beteuert, dass er nichts mit dem Regen zu tun habe, schließlich würde es ja im Ruderhaus nicht regnen.
00.10 Uhr
Das Aufbrechen des Ruderhauses wird abrupt abgebrochen, als ein Mitsegler der C-Wache mit der Nachricht an Deck kommt, dass sämtliche Kojen mehr oder weniger voll Wasser stehen.
00.15 Uhr
Erste Kämpfe um trockene Schlafplätze in der Messe brechen aus. Alleine diesem glücklichen Zustand verdankt es Steuermann Claus K., dass er wieder freien Zugang zum Oberdeck hat.
04.00 Uhr
Pünktlich übergibt die A-Wache einen regenfreien Himmel.
05.00 Uhr
Wird Steuermann Claus K., in der Koje liegend, von Regentropfen, die auf seine Nase tropfen, geweckt.
05.01 Uhr
Veranstaltet Claus K. schlaftrunken einen Freudentanz in seiner Kammer, in vollem Bewusstsein, dass er den Beinamen „Regenmacher“ nun nicht mehr alleine trägt.
11.45 Uhr
Fest in Kolby Kas.
11.52 Uhr
Aus Ermangelung an Duschmarken läuft Stefanie B. an der Pier Streife, um den Hafenmeister abzufangen.
13.24 Uhr
Die Lage spitzt sich erneut zu, als Obermaschinist Dieter M. von Mitseglerin Elke A. leichtsinnigerweise darauf angesprochen wurde ob man in seinem Heizungskeller Sachen zum Trocknen aufhängen dürfte.
13.25 Uhr
Verlässt Obermaschinist Dieter M. mit den Worten: „Er sei doch kein Hausmeister“, wütend das Oberdeck um sich grummelnder Weise im Maschinenraum zu verschanzen.
13.28 Uhr
Hört man den markerschütternden Schrei von Obermaschinist Dieter M.: „Wo sind meine Maschinen“
13.30 Uhr
Erst das beherzte Eingreifen von Kapitän Karl Walter Hörtmann, der dem Obermaschinisten erklärt, das sich seine Maschinen hinter den zum trocknen aufgestapelten Matratzen befinden, lässt die Lage wieder entspannen.
13.32 Uhr
Obermaschinist Dieter M. wird dabei beobachtet wie er abwechselnd die wieder gefundene Steuerbord und Backbord Maschine streichelt.
18.30 Uhr
Alle, außer Steuermann Claus K haben geduscht. Der Rest des Abends verläuft trotzdem ohne Zwischenfälle. An der Kielholvorrichtung verrotten mittlerweile die Tampen.
Freitag 26.05.2006
08.30 Uhr
Auf Drängen seiner Mitsegler lässt sich Claus K. endlich erweichen, Duschen zu gehen. Die Frischewirkung hält allerdings nur bis zum Überstreifen des, von ihm liebevoll gepflegten und seit Jahren ungewaschenen, nur an Bord getragenen, von seiner lieben Ehefrau selbst gestrickten Norwegerpullis an.
17.15 Uhr
Eine Hastig aufgehängte Bekanntmachung des Festkommitees sorgt für erneute Aufregung im Schiff.
17.20 Uhr
Aufgescheuchte Mitsegler gehen verzweifelt auf Krawattensuche, um der Kleiderordnung für den anstehenden Abschlussabend zu genügen.
19.00 Uhr
Nach einem opulenten Curryessen wird Schiffsköchin Öngeborg P. mit einem Kochlöffel der Marke „größer ging nicht“ für ihre außerordentliche Leistung ausgezeichnet. Erstmals auf dieser Reise sind sich alle einig.
20.00 Uhr
Der Rest des Abends wird durch zahlreiche Darbietungen, die immer wieder, von dem mittlerweile recht sangesfreudigen Bordchor, angeführt von Kapitän Karl Walter Hörtmann, mit dem heimlich einstudierten Choral: „Lumumba“, unterbrochen werden, aufgeheitert.
Sonnabend 27.05.2006
05.30 Uhr
Unruhe macht sich im Vorschiff breit.
05.45 Uhr
Der soeben gegründete Verein „Pack’ s an“, beginnt, zum Erstaunen der restlichen, noch sehr verschlafener Lumumba gezeichneter Gesichter ihrer Mitsegler zum Trotz, mit der Verwirklichung ihres Vereinsgrundsatzes: „wie perfektioniere ich das Simultan Seesack Packen mit 8 Personen auf engstem Raum“
06.00 Uhr
Während die Vereinsmitglieder damit beschäftigt sind die begebare Fläche des Vorschiffes auf ein Minimum zu begrenzen, machen sich einige ihrer Kammergenossen daran, immer noch schlaftrunken, die mittlerweile abgetakelte Kielholvorrichtung zu suchen.
07.30 Uhr
Das anberaumte Frühstück entschärft die Lage wieder etwas.
07.40 Uhr
Stefanie B. betritt ungeduscht die Messe. Sie wird später dabei beobachtet, wie sie beim Anblick des, für das anstehende Ankerhieven klargelegten, Deckwaschschlauches hysterisch: „Dusche, Dusche “ schreit.
08.45 Uhr
Unter lautem Gejohle, der anwesenden Männer, hieven die Damen den Anker, sichtlich motiviert von dazwischen gerufenen Phrasen wie: „ihr schafft das doch nicht“ und „das haben wir auch schon mal schneller gesehen“ in einer Rekordzeit die auch den letzten männlichen Kritiker verstummen lässt.
09.03 Uhr
Es gelingt Kapitän Karl Walter Hörtmann , zu seinem Erstaunen , nicht, die restlichen Mitsegler von seinem spontan erfundenen Spiel : „wir wechseln die Landseite, mit dazu gehörendem umbrassen der Breitfockrah“ zu begeistern.
09.04 Uhr
Die Widerstandsgruppe um Steuermann Claus K. formiert sich erneut.
09.40 Uhr
Die gesamte Mannschaft versammelt sich zum Gruppenfoto.
09.45 Uhr
Die plötzlich verschwundene Sonne macht ein totales Neuschminken der Darsteller notwendig, da die veränderten Lichtverhältnisse nicht ausreichen, um Daheimgebliebenen Familienmitgliedern den Erholungszweck der Reise erfolgreich darzustellen.
09.50 Uhr
Die Widerstandsgruppe von Claus K. formiert sich auf dem Vorschiff um ein aktuelles Fahndungsfoto zu erstellen.
10.02 Uhr
Der Steuermann Dieter K. beginnt, viel zu spät, wie sich herausstellt, mit seinem Kurs „ wie häkle ich mir ein Gangwaynetz“.
11.11 Uhr
organisiert Widerstandskämpfer Claus K., gegen den Willen von Kapitän Karl Walter Hörtmann, 10 Flaschen Bier.
11.12 Uhr
Alle Flaschen haben ihren Besitzer gefunden.
13.22 Uhr
Das Warten hat ein Ende, der Bus fährt ab.
13.23 Uhr
Chefmathematiker Arne G. unterzieht die Gurte im Bus einer Baumusterprüfung. Steuermann Claus K. kann nur durch das beherzte Verteilen von Haribo verhindern, das eine Massenpanik entsteht.
16.30 Uhr
Ankunft in Kiel. Der Topsegelschoner Amphitrite ist nicht mehr. Vor dem Bus spielen sich rührende Abschiedsszenen ab. Erschöpfte Menschen mit müden Gesichtern liegen sich in den Armen. Menschen wie du und ich, die nur einmal eine Woche auf dem, östlich von Stenkelfeld gelegenem See, segeln wollten.
Dieser Reisebericht wurde verfasst von Claus Kästner.
Jegliche Ähnlichkeiten mit vorgefallenen Ereignissen sind beabsichtigt.
Füa fela kan iich nix , wi imma. Kattrepel den 05.06.2006