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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weltgeschichte der Seefahrt, Biographisches Lexikon


second mate
08.10.2006, 18:53
Helmut Pemsel, Weltgeschichte der Seefahrt, Band 4. Biographisches Lexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2003, Veröffentlichung in Deutschland: Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2003, ISBN 3-7822-0386-6, 462 Seiten, Preis: Euro 48.00.
Vorliegende Publikation fußt auf einem Titel, den der Autor als Einzelband bereits 1985 vorgelegt hat. Für die Aufnahme in die sechsbändige Reihe „Weltgeschichte der Seefahrt“ wurde die Anzahl der Biographien von 265 auf 510 aufgestockt. Der zeitliche Rahmen ergibt sich aus dem Untertitel „von den Antike bis zur Gegenwart“, umfaßt also die gesamte personengeschichtlich erfaßbare maritime Geschichte. Von der geographischen Provenienz der Exponenten her betrachtet, ist das Buch weltweit angelegt. Das formelle Konzept beinhaltet die alphabetische Reihenfolge nach Personennamen von Absalon von Roskilde bis Zheng He. Der Umfang der Kurzbiographien liegt im Durchschnitt bei der Hälfte bis zwei Drittel einer Seite. Vorangestellt ist jeweils ein Konterfei des Betreffenden. Hierbei wurde neben Foto und Grafik aus der jüngeren Zeit auf Büsten, Standbilder und Abbildungen auf Siegeln und Münzen zurückgegriffen, zu deren Besorgung der Verfasser zweifellos große Mühe verwendete. Ebenfalls lückenlos finden sich, zwar kleinformatige, aber sehr exakt und historisch „stimmig“ ausgeführte zeichnerische Seitenansichten der zur Person gehörenden Schiffstypen. Die Biographien schließen mit bibliographischen Angaben über weiterführende Literatur. Diese Quellenhinweise hätte man sich, insbesondere bei bedeutenden Seefahrern wie etwa James Cook, durchaus umfangreicher vorstellen können.
Für den militärhistorisch Interessierten ist bedeutsam, daß, wie schon in der Urfassung, ein deutlicher thematischer Schwerpunkt auf dem Seekriegswesen liegt. Von den 510 Einträgen lassen sich 224 zwanglos der militärischen Schiffahrt zuordnen, betreffen sie nun Flotten- oder Flottillenchefs, U-Boot- oder Hilfskreuzerkommandanten oder Marineflieger. In 68 Fällen werden Seefahrer vorgestellt, die Epochemachendes auf den Gebieten Entdeckung und Forschung geleistet haben. Begrüßenswert ist, daß auch Personen nicht vergessen werden, die selbst nicht zur See fuhren, aber Wichtiges zur maritimen Entwicklung beitrugen. Hierunter fällt beispielsweise der englische Uhrmacher John Harrison, Erbauer des ersten brauchbaren Chronometers und damit Begründer der gerade für militärische Belange bedeutsamen geographischen Längenbestimmung. Nicht weniger epochemachend auf dem Gebiet der Kriegsschiffahrt waren Wilhelm Bauer und sein „Brandtaucher“, letzterer ein Meilenstein in der Entwicklung der später von allen Seemächten eingesetzten Unterwasser-Kampfschiffe. Für zivile wie militärische Schiffahrt gleichermaßen bedeutsam war die Entwicklung der meteorologischen Navigation durch Matthew Fontaine Maury, welch aufgrund langfristiger Beobachtung und Auswertung des Klimas die günstigsten Routen für die transozeanische Fahrt ermittelte. Hermann Anschütz-Kaempfe ermöglichte durch die Erfindung des von magnetischen Einflüssen unbeeinträchtigten Kreiselkompasses die moderne U-Boot-Navigation. Ebenfalls findet sich hier Alfred Thayer Mahan, amerikanischer Konteradmiral und Marinehistoriker, vielen durch sein auch heute noch geschätztes Werk „The Influence of Sea Power upon History“ bekannt.
Natürlich können die gestrafften Einzelbeiträge keine erschöpfende Auskunft über das Lebenswerk der dargestellten Personen bieten, sehr wohl aber eine rasche Basisinformation, eben im Sinne eines lexikalischen Nachschlagewerks. Autor und Verlag haben von der insgesamt sechsbändigen Reihe drei Titel der historischen Entwicklung der Kauffahrtei, zwei weitere der Geschichte des Seekriegswesens gewidmet. Diese sinnvolle Trennung gewährleistet nicht nur eine inhaltliche Kontinuität der Darstellungen. Sie ermöglicht dem potentiellen Käufer die Bände seines Interessengebiets gezielt auszuwählen und erspart ihm, für teures Geld Fachfremdes mitzukaufen. Es hätte, neben diesem ökonomischen Effekt vorliegendem biographischen Lexikon auch vom Inhaltlichen sehr wohl angestanden, auch dieses folgerichtig zweibändig, nach Kriegs- und Handelsmarine getrennt, anzulegen. Denn in Verbindung mit der alphabetischen Ordnung ergibt sich doch recht häufig ein buntes Nebeneinander auf vielen Doppelseiten, das den optisch sensiblen Betrachter irritieren muß. Ebenso wird der Historiker, der das chronologische Raster nun einmal zwangsläufig mit sich herumträgt, reagieren, wenn er auf der rechten Seite Pytheas aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und sein antikes Wasserfahrzeug findet und ihm auf der linken Güther Prien und sein U-47 entgegentreten.
Wolfgang Bühling