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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Deutsches Schiffahrtsarchiv 24


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08.10.2006, 19:01
Deutsches Schiffahrtsmuseum, [Hrsg.], Deutsches Schiffahrtsarchiv 24, Convent Verlag, Hamburg 2002, 510 Seiten, ISBN 3-934613-43-8, Einzelpreis: Euro 23.50
Der jüngste Jahrgang des führenden deutschen wissenschaftlichen Jahrbuchs zur Schiffahrtsgeschichte umfaßt neunzehn Arbeiten aus neun Themenbereichen.
Horst Nowacki referiert im Abschnitt „Quellenkunde“ zu den Theorien des Archimedes über schwimmende Körper. Highlight dabei ist das ursprünglich durch den Dänen Heiberg 1906 in Konstantinopel aufgefundene und nach einer Irrfahrt 1998 bei einer New Yorker Auktion wieder aufgetauchte Palimpsest mit Abschriften aus dem 10. Jahrhundert, welche gegenwärtig vom Walters Art Museum in Baltimore rekonstruiert und ausgewertet werden.
Im Abschnitt „Seeschiffahrt“ finden sich gleich zwei Schiffbrüche. Ein deutsch-dänisches Autorenkonsortium berichtet vom Verlust der Brigg JOMFRUE GIERTRUD des Königlich Grönländischen Handels im westgrönlandischen Eis 1799. Vorangestellt sind sprachkundliche Betrachtungen, welche die Diktion des aus Sylt stammenden Schiffsführers Boy Lorentz Petersen in dem erhaltenen und im Kopenhagener Reichsarchiv verwahrten Journal betreffen. Der Beitrag von Walter A. Kozian berührt einmal mehr die Entscheidungen der Seeämter, hier die Verhandlungen in Hamburg über den Untergang des Vollschiffes SCHULAU, welches nach Mastbruch 1910 vor der Küste Patagoniens von seiner Besatzung verlassen wurde.
Ein militärhistorisches Streiflicht, welches man schon fast als Kuriosum bezeichnen kann, stellt Christian Ostersehlte vor: „Motorboote im militärischen Einsatz“ schildert Struktur und Aktivitäten des „Freiwilligen Motorboot Korps“ im ersten Weltkrieg. Dahinter verbirgt sich eine paramilitärische, aus Motoryachtsportlern zusammengesetzte Organisation zur Kontrolle der Binnen- und Reviergewässer. Von der Reichsmarine eher belächelt, von der preußischen Armee mit einem gewissen Wohlwollen bedacht, fand die FMK Nachahmer in Großbritannien und, während des Zweiten Weltkriegs, in Form der US Coast Guard Auxiliary in den U.S.A.
Auf den ersten Blick als Zweitpublikation erkennbar ist der Aufsatz „Zeit- und Lohnregelungen in norddeutschen und skandinavischen Seerechten des 13. bis 17. Jahrhunderts“ aus der Feder von Christina Deggim, welche bereits 2000 eine einschlägige umfangreiche Dissertation vorgelegt hatte. Die Autorin zeigt auf, daß sich das Arbeitsverhältnis der Seeleute, etwa zur Blütezeit der Hanse, keineswegs in einem gesetzlichen Niemandsland abspielte, vielmehr ein obrigkeitlicher Verordnungsrahmen bereits im 13. Jahrhundert Gestalt annahm.
Ursula Feldkamp stellt einen in Selbstzeugnissen dokumentierten Abschnitt aus der vita des Erlanger Arztes F.W.C. Hetzel und seiner Zeit als Schiffsarzt in holländischen Diensten 1860-62 dar und bietet damit sicherlich auch der medizinhistorischen Welt die Anregung, diese Dokumentation in ihre Betrachtungen einzubeziehen.
„Aus den Sammlungen des DSM“ präsentieren schließlich Detlev Ellmers und Uwe Schnall eine 1998 erworbene, um 1851 entstandene, reich verzierte Takelure. Der technisch interessierte Leser bedauert bei diesem, vor allem volkskundlich orientierten Beitrag, daß ihm ein Blick in das mechanische Innenleben dieses „Nebelhorns mit Kurbelantrieb“ verwehrt bleibt.
Selbstverständlich beinhalten auch die hier aus Platzgründen nicht erwähnten Referate, unter denen auch wieder zwei Beiträge zum Walfang, sowie drei weitere zu sozialgeschichtlichen Aspekten vertreten sind, viel Wichtiges zur Schiffahrtsgeschichte und belegen einmal mehr den hohen wissenschaftlichen Standard des Deutschen Schiffahrtsarchivs.
Wolfgang Bühling