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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Karting, Deutsche Schoner, Band III und IV


second mate
08.10.2006, 19:19
Herbert Karting, Deutsche Schoner, Band III und IV, Verlag Hauschild, Bremen 2003 bzw. 2004, 208 bzw.336 Seiten, Euro 52.00 (Band III) und Euro 64.00 (Band IV)
Die Bände drei und vier des auf sieben Teile angelegten Werks befassen sich mit dem Bau hölzerner Schoner an der deutschen Ostseeküste. Ein geographisch gesehen weites Feld, denn dieselbe erstreckte sich ja zu Zeiten der Segelschiffahrt, zumindest zeitweise, von Hadersleben bis hin zum Memelland. Wiederum hat der Autor aus Gründen der erst ab Reichsgründung ergiebigen Quellenlage den Betrachtungszeitraum im Jahr 1870 beginnen lassen. Somit nimmt die Darstellung ihren Beginn zu einem Zeitraum, als im Segelschiffbau der Zenit schon überschritten war und was den Holzschiffbau betrifft, dessen letzte Periode bereits eingeläutet war.
Band drei ist den Produkten der Schiffbauplätze zwischen Hadersleben und Ribnitz in Mecklenburg gewidmet, beginnend mit den heute zu Dänemark gehörigen Bauorten Hadersleben, Apenrade und Sønderborg. Auch im Weiteren ist die Darstellung nach Bauorten gegliedert, die Abschnitte unterteilen sich wieder in die einzelnen Werften. Zu jedem Fahrzeug gibt es eine Biographie, je nach Quellenlage mehr oder minder umfangreich. Wie die bereits erschienenen Bände sind auch die vorliegenden „bildlastig“ angelegt und beinhalten durchgehend historische Fotodokumente, Pläne und Risse. Bei den einzelnen Werftorten wird einleitend jeweils dessen Schiffbautradition summarisch gewürdigt.
Bemerkenswert ist die stattliche Zahl der Schonerbarken, Schonerbriggs und Bramsegelschoner bis zu mehreren hundert BRT groß und zum Teil in der weltweiten Fahrt, beispielweise nach Hongkong, eingesetzt. Überhaupt war die Zahl der reinen Gaffelschoner mit 24 Einheiten im Betrachtungsgebiet und Betrachtungszeitraum vergleichsweise gering, die meisten Fahrzeuge trugen eine kleinere oder größere Anzahl von Rahsegeln.
An der mecklenburgischen Küste waren es die Plätze Wismar, Rostock und Ribnitz, die Schonergeschichte schrieben. Auch und gerade bei der Darstellung deren Historie, deren Quellen für den westlichen Forscher lange Zeit unzugänglich waren, wurde der Autor durch Jürgen Rabbel unterstützt, der schon zu DDR-Zeiten als der Experte vor Ort auf diesem Gebiet schlechthin galt.
Die Bände dokumentieren eindrucksvoll den raschen Rückgang des Baus hölzerner Schiffe auf deutschen Werften. Von den in Band drei beschriebenen 130 Einheiten wurden 111 in den 1870er Jahren gebaut, in der folgenden Dekade waren es gerade einmal 12 Neubauten. Danach wurden, anders als etwa in Dänemark, nur noch ganz vereinzelt Holzschiffe zu Wasser gelassen, ganze sieben im Betrachtungsgebiet von Band drei, das letzte 1923. Außer Howaldt in Kiel hatte keine der traditionsreichen Werften den Übergang zum Stahlschiffbau vollziehen könne, ein Jahrhunderte altes Handwerk ging dahin. Zu den letztgebauten Einheiten gehörte auch der Gaffelschoner PAPUA, auf der Wagria-Werft in Neustadt/Holstein für den Südseehandel gebaut. Das aus Buche und Eiche gezimmerte Schiff hatte für den Einsatz in tropischen Gewässern eine Haut aus Munzmetall auf Filzunterlage erhalten.
Der kürzlich erschienene Band vier, der den Produkten der pommerschen und ostpreußischen Schiffbauplätze gewidmet ist, kommt mit über 330 Seiten besonders voluminös daher. Kein Wunder, denn zwischen Damgarten und Memel (heute Klaipeda) wurden im Betrachtungszeitraum 275 hölzerne Schoner gebaut, 50 mehr, als an der ganzen übrigen deutschen Küste zusammen. Eine herausragende Stellung nimmt hier der auf Spiegel gebaute Jachtschoner ein, der „dänische Typ“, gerne auch als „pommersche Jacht“ bezeichnet.
Wolfgang Bühling