second mate
04.11.2006, 17:21
Gale Huntingdon, Songs the Whalemen Sang, Mystic Seaport Museum, Mystic 2005, 331 Seiten, 19.95 $, Bezug: Mystic Seaport Wholesale, 47 Greenmanville Ave., POB 6000, Mystic CT 06355, U.S.A, Per Internet bestellbar, www.mysticseaport.org zeigt auch alle übrigen Publikationen des Museums
Die Geschichte begann damit, daß der High-School-Lehrer Gale Huntingdon in den fünfziger Jahren von einer Schülerin das Tagebuch eines Walfängers aus dem Familienbesitz bekam. Die Aufzeichnungen des Steuermanns Sam Mingo, der in der 1880er Jahren auf der Bark ANDREW HICKS unterwegs war, interessierten ihn, fasziniert war er aber von dem enthaltenen, an Bord aufgezeichneten Liedgut. Dies war der Ausgangspunkt für eine jahrelange Forschungsarbeit über Walfängerlieder und solche, die auf Walfängern gesungen wurden. 1961 erschien der vorliegende Band von immerhin 360 Seiten, der nunmehr vom Mystic Seaport Museum neu aufgelegt wurde. Der Autor schöpft aus den Quellen Neuenglands, wo der Walfang über 200 Jahre nicht nur einen bedeutenden Wirtschaftszweig verkörperte, sondern auch soziologischer und volkskundlicher Sicht ein prägendes Element darstellte. Huntingdon gibt zu fast allen 175 Titeln Text und Noten, berücksichtigt dabei, wenn auch nicht so ausgiebig wie Stan Hugill in seinen Publikationen, Varianten, die es zu zahlreichen Stücken ja gab. Musikgeschichtlich besonders wertvoll sind die zahlreichen Annotationen, welche grundsätzliche Erläuterungen zu den Liedgattungen, aber auch Details wie Querverweise zu anderen Sammlungen beinhalten.
Nachdem in den letzten Jahren, neben den traditionsreichen Lotsengesangvereinen zahlreiche Shanty-Chöre, sogar im tiefen Binnenland, neu entstanden sind fanden Platten und CDs mit seemännischer Folklore in maritim orientierten Kreisen relativ weite Verbreitung. So wird mancher in der ersten Abteilung der Sammlung gute Bekannte wiederfinden, etwa „Coast of Peru“ und „Blow ye Winds“ oder die auch von den Dubliners gerne gesungene „Greenland Whale Fishery“. Das Kapitel Of Sea and Ships bringt seemännische Titel ohne direkten Walfangbezug wie „A Life on the Ocean Wave“. Nicht fehlen darf natürlich der Themenkreis Of Sailors and Maidens Fair, in dem sich auch das alte irische „Her mantle So Green“ wiederfindet. Zwei weitere umfangreiche Kapitel sind direkt diesem Transfer von Musik des Festlands gewidmet, sie bieten eine große Anzahl amerikanischer und angloirischer Volkslieder, welche nachweislich ihren Weg an Bord der Fangschiffe gefunden haben. Eine solche Migration fand auch auf dem Gebiet der „Parlor Songs“ statt, einer Gattung, die Huntingdon mit dem deutschen Begriff „volkstümliches Lied“ beschreibt, vielleicht kein so ganz glücklicher Definitionsversuch. Parlor Songs wurden in gehobenen Kreisen zu Klavier- oder Harmoniumbegleitung vorgetragen und sollten sich, trotz deren Volksliedcharakters vom gemeinen „Gassenhauer“ abheben.
Drei Jahre nachdem Stan Hugill 1961 mit „Shanties from the Seven Seas“ das ultimative Referenzwerk für das seemännische Liedgut der Kauffahrteischiffe publizierte, hat Gale Huntingdon seinerzeit den Standard auf dem Gebiet des Walfängerlieds gesetzt, Mystic Seaport Museum hat seine Sammlung nunmehr dankenswerterweise neu aufgelegt. Als Huntingdon 1993 starb, hinterließ er das Manuskript zu einer weiteren Liedsammlung mit dem Titel The Gam. Wie aus Mystic zu hören ist, wird dort die Veröffentlichung dieses Folgebandes vorbereitet.
Wolfgang Bühling
Die Geschichte begann damit, daß der High-School-Lehrer Gale Huntingdon in den fünfziger Jahren von einer Schülerin das Tagebuch eines Walfängers aus dem Familienbesitz bekam. Die Aufzeichnungen des Steuermanns Sam Mingo, der in der 1880er Jahren auf der Bark ANDREW HICKS unterwegs war, interessierten ihn, fasziniert war er aber von dem enthaltenen, an Bord aufgezeichneten Liedgut. Dies war der Ausgangspunkt für eine jahrelange Forschungsarbeit über Walfängerlieder und solche, die auf Walfängern gesungen wurden. 1961 erschien der vorliegende Band von immerhin 360 Seiten, der nunmehr vom Mystic Seaport Museum neu aufgelegt wurde. Der Autor schöpft aus den Quellen Neuenglands, wo der Walfang über 200 Jahre nicht nur einen bedeutenden Wirtschaftszweig verkörperte, sondern auch soziologischer und volkskundlicher Sicht ein prägendes Element darstellte. Huntingdon gibt zu fast allen 175 Titeln Text und Noten, berücksichtigt dabei, wenn auch nicht so ausgiebig wie Stan Hugill in seinen Publikationen, Varianten, die es zu zahlreichen Stücken ja gab. Musikgeschichtlich besonders wertvoll sind die zahlreichen Annotationen, welche grundsätzliche Erläuterungen zu den Liedgattungen, aber auch Details wie Querverweise zu anderen Sammlungen beinhalten.
Nachdem in den letzten Jahren, neben den traditionsreichen Lotsengesangvereinen zahlreiche Shanty-Chöre, sogar im tiefen Binnenland, neu entstanden sind fanden Platten und CDs mit seemännischer Folklore in maritim orientierten Kreisen relativ weite Verbreitung. So wird mancher in der ersten Abteilung der Sammlung gute Bekannte wiederfinden, etwa „Coast of Peru“ und „Blow ye Winds“ oder die auch von den Dubliners gerne gesungene „Greenland Whale Fishery“. Das Kapitel Of Sea and Ships bringt seemännische Titel ohne direkten Walfangbezug wie „A Life on the Ocean Wave“. Nicht fehlen darf natürlich der Themenkreis Of Sailors and Maidens Fair, in dem sich auch das alte irische „Her mantle So Green“ wiederfindet. Zwei weitere umfangreiche Kapitel sind direkt diesem Transfer von Musik des Festlands gewidmet, sie bieten eine große Anzahl amerikanischer und angloirischer Volkslieder, welche nachweislich ihren Weg an Bord der Fangschiffe gefunden haben. Eine solche Migration fand auch auf dem Gebiet der „Parlor Songs“ statt, einer Gattung, die Huntingdon mit dem deutschen Begriff „volkstümliches Lied“ beschreibt, vielleicht kein so ganz glücklicher Definitionsversuch. Parlor Songs wurden in gehobenen Kreisen zu Klavier- oder Harmoniumbegleitung vorgetragen und sollten sich, trotz deren Volksliedcharakters vom gemeinen „Gassenhauer“ abheben.
Drei Jahre nachdem Stan Hugill 1961 mit „Shanties from the Seven Seas“ das ultimative Referenzwerk für das seemännische Liedgut der Kauffahrteischiffe publizierte, hat Gale Huntingdon seinerzeit den Standard auf dem Gebiet des Walfängerlieds gesetzt, Mystic Seaport Museum hat seine Sammlung nunmehr dankenswerterweise neu aufgelegt. Als Huntingdon 1993 starb, hinterließ er das Manuskript zu einer weiteren Liedsammlung mit dem Titel The Gam. Wie aus Mystic zu hören ist, wird dort die Veröffentlichung dieses Folgebandes vorbereitet.
Wolfgang Bühling