günther_bendt
27.11.2006, 23:20
In "Horizonte" lese ich, dass sich ein Kommentator darüber beklagt, dass auf dem neuen Schild der Amphi der Schriftzug "Komm an Bord" mit schwarzer Farbe übermalt wurde.
Da ist gar von "Sachbeschädigung" die Rede, und dass durch Übermalen des Schriftzuges des Bemühungen des Schifferrats um ein intensives Marketing konterkariert werde. Zugleich wird eine ehrliche und offene Diskussion über Entscheidungen verlangt, wenn Entscheidungen nicht gefallen. Wohlan!
Ich bin im August auf Amphi gesegelt. In den Häfen haben wir das neue Schild stolz aufgehängt. In jedem Hafen war Amphi Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher, und wir haben diesen Besuchern in jedem Hafen viele Fragen zu Schiff und zu Clipper beantworten müssen, zum Teil bis weit nach Mitternacht.
Wir machten allerdings eine verwunderliche Entdeckung. Immer wieder standen wildfremde Leute auf dem Schiff, ohne dass sie jemand an Bord gebeten hätte, oder beobachtet hätte, wie sie an Bord kamen. So was haben wir bei früheren Törns nie erlebt.
Mit der Zeit kamen wir dann dahinter, dass es am Schriftzug "Komm an Bord" lag. Einige Fans auf dem Kai verstanden diesen Schriftzug als persönliche Einladung und kamen an Bord, OHNE UM ERLAUBNIS ZU FRAGEN.
Für den Schiffsbetrieb und die Crew ist so ein Zustand unhaltbar. Die Schiffsführung muss die Sicherheit des Schiffes und seiner Ausrüstung sowie die Privatsphäre der Crew gewährleisten. Dies kann sie nicht leisten, wenn fremde Personen das Schiff ohne Erlaubnis betreten und sich darauf und darin frei bewegen.
Kein Kapitän eines Schiffes wird es wildfremden Besuchern erlauben, sein Schiff nach Lust und Laune jederzeit zu betreten. Unser Schifferrat wird den Slogan "Komm an Bord" wohl nicht in dem Sinn gemeint haben, dass ein Clipperschiff im Hafen für jedermann offenstehen soll. So wurde der Slogan "Komm an Bord" von einigen Besuchern jedoch verstanden.
Daher wurde der Slogan überklebt, und wir haben die Besucher am Kai empfangen, ihre Fragen beantwortet und sie nach Rücksprache mit Kapitän und Steuerleuten unter sicherer Betreuung an Deck herumgeführt. Danach hatten wir vor unerwünschten Besuchern Ruhe .
Unser Slogan "Komm an Bord" richtet sich an potentielle Mitsegler. Wer bei Clipper mitsegelt, wird Clipper-Mitglied bevor er an Bord geht, er /sie segelt zu Törnbedingungen und unterschreibt bei seiner Anmeldung gewisse Regeln, Verpflichtungen und Vereinbarungen. Man kennt Namen und Adresse, und weiß wen man vor sich hat.
Besucher, die aufgrund der vermeintlichen Einladung "Komm an Bord" in einem Hafen ungefragt an Bord klettern, bieten nichts davon. Ganz viele Besucher kommen aus Begeisterung für alte Schiffe an den Kai, aber wer ungefragt an Bord stiefelt, den treibt eher die Abenteuerlust, Lust auf ein paar Bierchen oder Sehnsucht nach netter weiblicher Gesellschaft um, und mancher peilt vielleicht auch nur die Lage, ob man irgendwo was abstauben kann. Man weiß nicht mal sicher, ob diese Leute fit genug sind, um beim Betreten des Schiffes nicht zu verunglücken.
Der Slogan "Komm an Bord" sollte so präsentiert werden, dass er die Zielgruppe von Clipper erreicht. Da gehören Leute, die sich nicht zu benehmen verstehen, ganz bestimmt nicht zu.
Auch wenn man voll Überzeugung ein Schildchen "Herzlich Willkommen" an seine Wohnungstür macht, wird man in der Regel nicht erfreut sein, wenn man anschließend ständig wildfremde Menschen in seiner Küche und in seinem Schlafzimmer vorfindet. Daher sollte man von den Crewmitgliedern eines Clipperschiffs nicht erwarten, dass sie in einer ähnlichen Situation Begeisterung für solche Erlebnisse zeigen. Statt dessen sollte man verstehen, dass sie ihr Schiff und ihre Gemeinschaft schützen. Indem sie genau das erfolgreich leisten, machen sie allerbestes praktisches Marketing.
In diesem Sinne,
Günther
Da ist gar von "Sachbeschädigung" die Rede, und dass durch Übermalen des Schriftzuges des Bemühungen des Schifferrats um ein intensives Marketing konterkariert werde. Zugleich wird eine ehrliche und offene Diskussion über Entscheidungen verlangt, wenn Entscheidungen nicht gefallen. Wohlan!
Ich bin im August auf Amphi gesegelt. In den Häfen haben wir das neue Schild stolz aufgehängt. In jedem Hafen war Amphi Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher, und wir haben diesen Besuchern in jedem Hafen viele Fragen zu Schiff und zu Clipper beantworten müssen, zum Teil bis weit nach Mitternacht.
Wir machten allerdings eine verwunderliche Entdeckung. Immer wieder standen wildfremde Leute auf dem Schiff, ohne dass sie jemand an Bord gebeten hätte, oder beobachtet hätte, wie sie an Bord kamen. So was haben wir bei früheren Törns nie erlebt.
Mit der Zeit kamen wir dann dahinter, dass es am Schriftzug "Komm an Bord" lag. Einige Fans auf dem Kai verstanden diesen Schriftzug als persönliche Einladung und kamen an Bord, OHNE UM ERLAUBNIS ZU FRAGEN.
Für den Schiffsbetrieb und die Crew ist so ein Zustand unhaltbar. Die Schiffsführung muss die Sicherheit des Schiffes und seiner Ausrüstung sowie die Privatsphäre der Crew gewährleisten. Dies kann sie nicht leisten, wenn fremde Personen das Schiff ohne Erlaubnis betreten und sich darauf und darin frei bewegen.
Kein Kapitän eines Schiffes wird es wildfremden Besuchern erlauben, sein Schiff nach Lust und Laune jederzeit zu betreten. Unser Schifferrat wird den Slogan "Komm an Bord" wohl nicht in dem Sinn gemeint haben, dass ein Clipperschiff im Hafen für jedermann offenstehen soll. So wurde der Slogan "Komm an Bord" von einigen Besuchern jedoch verstanden.
Daher wurde der Slogan überklebt, und wir haben die Besucher am Kai empfangen, ihre Fragen beantwortet und sie nach Rücksprache mit Kapitän und Steuerleuten unter sicherer Betreuung an Deck herumgeführt. Danach hatten wir vor unerwünschten Besuchern Ruhe .
Unser Slogan "Komm an Bord" richtet sich an potentielle Mitsegler. Wer bei Clipper mitsegelt, wird Clipper-Mitglied bevor er an Bord geht, er /sie segelt zu Törnbedingungen und unterschreibt bei seiner Anmeldung gewisse Regeln, Verpflichtungen und Vereinbarungen. Man kennt Namen und Adresse, und weiß wen man vor sich hat.
Besucher, die aufgrund der vermeintlichen Einladung "Komm an Bord" in einem Hafen ungefragt an Bord klettern, bieten nichts davon. Ganz viele Besucher kommen aus Begeisterung für alte Schiffe an den Kai, aber wer ungefragt an Bord stiefelt, den treibt eher die Abenteuerlust, Lust auf ein paar Bierchen oder Sehnsucht nach netter weiblicher Gesellschaft um, und mancher peilt vielleicht auch nur die Lage, ob man irgendwo was abstauben kann. Man weiß nicht mal sicher, ob diese Leute fit genug sind, um beim Betreten des Schiffes nicht zu verunglücken.
Der Slogan "Komm an Bord" sollte so präsentiert werden, dass er die Zielgruppe von Clipper erreicht. Da gehören Leute, die sich nicht zu benehmen verstehen, ganz bestimmt nicht zu.
Auch wenn man voll Überzeugung ein Schildchen "Herzlich Willkommen" an seine Wohnungstür macht, wird man in der Regel nicht erfreut sein, wenn man anschließend ständig wildfremde Menschen in seiner Küche und in seinem Schlafzimmer vorfindet. Daher sollte man von den Crewmitgliedern eines Clipperschiffs nicht erwarten, dass sie in einer ähnlichen Situation Begeisterung für solche Erlebnisse zeigen. Statt dessen sollte man verstehen, dass sie ihr Schiff und ihre Gemeinschaft schützen. Indem sie genau das erfolgreich leisten, machen sie allerbestes praktisches Marketing.
In diesem Sinne,
Günther