second mate
21.12.2006, 18:09
Nur noch antiquarisch:
Hans Warns, Die seltsame Reise des Seglers "Herbert" von 1914 bis 1921, Edition Temmen, Bremen 1992, 83 S., Preis: Euro 2.00
Mit dem Kriegsausbruch 1914 liefen alle deutschen, im Überseeverkehr befindlichen Schiffe Gefahr, von den Alliierten, vornehmlich den Engländern, aufgebracht und beschlagnahmt zu werden. Etwas besser gestaltete sich die Lage für solche Fahrzeuge, die in einem neutralen Hafen lagen, nach einem solchen bestimmt waren oder ihn als Nothafen noch rechtzeitig anlaufen konnten. Zur letzteren Kategorie gehörte beispielsweise PAMIR, die vom Oktober 1914 bis März 1920 auf den Kanaren Schutz gesucht hat. Zur Mannschaft gehörte damals auch der Matrose Johannes Diebitsch, der später als ihr letzter Kapitän mit der PAMIR auf See bleiben sollte.
Von den bei Kriegsausbruch registrierten 180 deutschen Rahseglern der Großen Fahrt erreichten bis zum Oktober 1914 57 Schiffe Hafenplätze des neutralen Chile, zwölf weitere fanden in mexikanischen Pazifikhäfen Zuflucht. Im Salpeterhafen Iquiqe wurde unter anderen die Viermastbark HERBERT interniert, 1892 bei Russell in Greenock als DONNA FRANCISCA gebaut, seit 1911 in den Diensten der Hamburger Reederei Siemers stehend. Auf diesem, durchaus stattlichen Schiff musterte Hans Warns für die erste Reise seines Lebens im Frühjahr 1914 als Schiffsjunge an. Beim Eintreffen in Iquiqe wartete die Nachricht vom Kriegsaubruch auf die Seeleute. Kapitän Mohrschladt und seine Besatzung ahnten zu diesem Zeitpunkt nicht, daß damit ihr Schicksal für volle sechs Jahre besiegelt war. Denn, wie die meisten Deutschen dachte man, daß der neuerliche Krieg dem vorausgegangenen Frankreich-Feldzug von 1870/71 gleichen und somit in absehbarer Zeit, und zwar für die eigenen Truppen siegreich, beendet sein würde.
Als Zweiundneunzigerjähriger griff Hans Warns zur Feder und hinterließ uns einen ebenso authentischen wie kurzweilig zu lesenden Zeitzeugenbereicht. Dabei bietet seine Darstellung zweierlei: Zum Einen eine lebendige, detailreiche Schilderung des Bordalltags in der klassischen Südamerikafahrt um Kap Horn aus der Sicht des Moses. Zum Anderen die besonderen Verhältnisse der sechsjährigen Internierung und der Rückreisen im Jahr 1920. Hier darf natürlich auch die Story von der LUCIE WOERMANN nicht fehlen, welche 850 Seeleute vom Hamburg nach Südamerika brachte, denn die Mannschaften der internierten Schiffe waren durch die Jahre stark dezimiert worden. Der LUCIE WOERMANN ging kein guter Ruf voraus, es hieß allerhand Gesindel hätte sich in Hamburg eingeschlichen, es kam zur politischer Agitation und Streiks während der Überfahrt. War es Glück oder die Menschenkenntnis des Kapitäns, HERBERT bekam nur gute Mannschaft ab und die Rückreise verlief völlig normal. Allerdings dauerte sie 121 Tage, weil der starke, sechsjährige Muschelbewuchs nur behelfsmäßig entfernt werden konnte. Dabei kam HERBERT noch gut weg, denn andere Schiffe brauchten 200 Tage.
Bebildert ist der vorliegende Band mit Hans Warns’ eigenen Fotos, aufgenommen mit einer Box und an Bord selbst entwickelt. Insgesamt ein ungewöhnlicher und in seiner Unmittelbarkeit beeindruckender Zeitzeugenbericht.
Abschließend noch mal der Preis: 2.00 Euro, in Worten: Zwei Euro.
Wolfgang Bühling
Hans Warns, Die seltsame Reise des Seglers "Herbert" von 1914 bis 1921, Edition Temmen, Bremen 1992, 83 S., Preis: Euro 2.00
Mit dem Kriegsausbruch 1914 liefen alle deutschen, im Überseeverkehr befindlichen Schiffe Gefahr, von den Alliierten, vornehmlich den Engländern, aufgebracht und beschlagnahmt zu werden. Etwas besser gestaltete sich die Lage für solche Fahrzeuge, die in einem neutralen Hafen lagen, nach einem solchen bestimmt waren oder ihn als Nothafen noch rechtzeitig anlaufen konnten. Zur letzteren Kategorie gehörte beispielsweise PAMIR, die vom Oktober 1914 bis März 1920 auf den Kanaren Schutz gesucht hat. Zur Mannschaft gehörte damals auch der Matrose Johannes Diebitsch, der später als ihr letzter Kapitän mit der PAMIR auf See bleiben sollte.
Von den bei Kriegsausbruch registrierten 180 deutschen Rahseglern der Großen Fahrt erreichten bis zum Oktober 1914 57 Schiffe Hafenplätze des neutralen Chile, zwölf weitere fanden in mexikanischen Pazifikhäfen Zuflucht. Im Salpeterhafen Iquiqe wurde unter anderen die Viermastbark HERBERT interniert, 1892 bei Russell in Greenock als DONNA FRANCISCA gebaut, seit 1911 in den Diensten der Hamburger Reederei Siemers stehend. Auf diesem, durchaus stattlichen Schiff musterte Hans Warns für die erste Reise seines Lebens im Frühjahr 1914 als Schiffsjunge an. Beim Eintreffen in Iquiqe wartete die Nachricht vom Kriegsaubruch auf die Seeleute. Kapitän Mohrschladt und seine Besatzung ahnten zu diesem Zeitpunkt nicht, daß damit ihr Schicksal für volle sechs Jahre besiegelt war. Denn, wie die meisten Deutschen dachte man, daß der neuerliche Krieg dem vorausgegangenen Frankreich-Feldzug von 1870/71 gleichen und somit in absehbarer Zeit, und zwar für die eigenen Truppen siegreich, beendet sein würde.
Als Zweiundneunzigerjähriger griff Hans Warns zur Feder und hinterließ uns einen ebenso authentischen wie kurzweilig zu lesenden Zeitzeugenbereicht. Dabei bietet seine Darstellung zweierlei: Zum Einen eine lebendige, detailreiche Schilderung des Bordalltags in der klassischen Südamerikafahrt um Kap Horn aus der Sicht des Moses. Zum Anderen die besonderen Verhältnisse der sechsjährigen Internierung und der Rückreisen im Jahr 1920. Hier darf natürlich auch die Story von der LUCIE WOERMANN nicht fehlen, welche 850 Seeleute vom Hamburg nach Südamerika brachte, denn die Mannschaften der internierten Schiffe waren durch die Jahre stark dezimiert worden. Der LUCIE WOERMANN ging kein guter Ruf voraus, es hieß allerhand Gesindel hätte sich in Hamburg eingeschlichen, es kam zur politischer Agitation und Streiks während der Überfahrt. War es Glück oder die Menschenkenntnis des Kapitäns, HERBERT bekam nur gute Mannschaft ab und die Rückreise verlief völlig normal. Allerdings dauerte sie 121 Tage, weil der starke, sechsjährige Muschelbewuchs nur behelfsmäßig entfernt werden konnte. Dabei kam HERBERT noch gut weg, denn andere Schiffe brauchten 200 Tage.
Bebildert ist der vorliegende Band mit Hans Warns’ eigenen Fotos, aufgenommen mit einer Box und an Bord selbst entwickelt. Insgesamt ein ungewöhnlicher und in seiner Unmittelbarkeit beeindruckender Zeitzeugenbericht.
Abschließend noch mal der Preis: 2.00 Euro, in Worten: Zwei Euro.
Wolfgang Bühling