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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Für Clipper-Köche in spe: Dr. Oetker Schulkochbuch


second mate
18.02.2007, 16:39
Dr. Oetker Schulkochbuch, Verlag Heyne, 9. Auflage, München 2006, 400 Seiten, ISBN-13: 978-3-453-19042-9, Preis: Euro 9.95
„Nehmen Sie einen tollen Teller und klatschen Sie eine ordentliche Kelle ihres fabrizierten Labskaus darauf. Den Rollmops können Sie daneben drapieren oder im Labskaushaufen versinken lassen“. So zu lesen in einem alten Jahrgang des dänischen Magazins „Sejleren“, bei dem sich der Herausgeber den deutschen Übersetzer gespart hatte. Man stelle sich vor, „wenn bei Anholt der Rollmops im Labskaus versinkt“!
Spaß beiseite: Daß die gute Stimmung an Bord und auch die Leistungsbereitschaft der Mannschaft von der Qualität der Verpflegung abhängt, war schon in der alten Schiffahrt so. Auch auf den Clipper-Schiffen läßt man zum Ende einer gelungenen Tour nicht nur den Schiffsführer, sondern auch Köchin oder Koch gebührend hoch leben. Das gilt nicht zuletzt für die langjährigen Perlen und Starköche, deren Namen heute schon Legende sind.
Aber, die ehrenamtliche Stammbesatzung der Reederei braucht Nachwuchs, soll der Betrieb auch in den kommenden Jahrzehnten in der gewohnten Weise weiter gehen. Während es nun im nautischen und technischen Bereich bestimmte Leitlinien für die Ausbildung auf Traditionsschiffen gibt, ist der Koch in spe auf sich selbst angewiesen. Um Schwellenängste zu überwinden, kann man als MitseglerIn dem Smut in die Töpfe gucken und schon mal die Proviantlisten und Standardkochpläne studieren. Man kann auch zu Hause probekochen, und das möglichst mithilfe eines geeigneten Kochbuchs. Nun wurde der Buchmarkt in den letzten Jahren mit aufwendigst gestalteten, immer raffinierteren Rezeptsammlungen geradezu überschwemmt. Ebenso wie sich die immer zahlreicher werdenden Sterneköche im Fernsehen mit ihre Kochshows gegenseitig zu überbieten versuchen. Damit nun Jungköchin und Jungkoch vor lauter Bäumen auch den Wald noch sehen, sei hier an ein Standardwerk erinnert, nach dem schon die Vorfahren das Kochen erlernten und das überdies zu einem erschwinglichen Preis zu haben ist.
Gemeint ist das Dr. Oetker Schulkochbuch. Gleich zuvor: Keine Angst vor dem Wort Schule. Dieser Leitfaden wurde bereits in seinem ersten Auflagen vor dem Krieg so leicht faßlich und anschaulich geschrieben, daß Lehrbuchangst gar nicht erst aufzukommen braucht. Der Band bietet eine umfassende Rezeptsammlung von Suppe bis Nachspeise, aber er wäre kein richtiges Schulkochbuch, wenn nicht auch zahlreiche warenkundliche Kapitel etwa zu Fisch, Fleisch, Gemüse und Salate eingebaut wären. Und wenn sich nicht auch Grundkurse, etwa zu Saucen und Gewürzen, mit im Angebot fänden.
Obwohl es in einer langen Tradition steht, kommt das Kochbuch durchaus auf der Höhe der Zeit daher. Dem heutigen Warenangebot entsprechend, wurde die Rezepte ergänzt, ohne die gewohnten Standards zu vernachlässigen. Einflüssen der ausländischen cuisines auf die heutige Alltagsküche wurde gebührend Rechnung getragen. Nicht verzichten wollten die Herausgeber auf aufwendig reproduzierte kulinarische Fotos, mit denen der Band durchgehend illustriert ist. Gerade unter diesem Aspekt ist der Preis des Bandes außergewöhnlich günstig.
Natürlich ist das Dr. Oetker Schulkochbuch nicht nur etwas für zukünftige Clipper-Köche. Man kann es jedem Haushalt, vor allem den neugegründeten, empfehlen !
P.S. Labskaus ist auch drin. Allerdings die Variante, bei der die Roten Beete nicht mit durchgedreht, sondern „daneben drapiert“ werden. Also, reichlich Diskussionsstoff für die Anhänger der Hamburger, Bremer und Neuharlingersieler Varianten. Moltid!
Wolfgang Bühling