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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Seute im Buch: Danske Havforskningsskibe gennem 250 aar


second mate
17.12.2007, 21:10
Thorkild Sandbeck
Danske havforskingsskibe gennem 250 år
Skib Forlag, Stenstrup 2007, 279 Seiten, Preis: 398 Dänische Kronen,www.skibforlag.dk

Am Anfang war GRÖNLAND, sehr wahrscheinlich das erste Meeresforschungsschiff der Welt. König Frederik V. ließ das barkgetakelte Kriegsschiff für eine Expedition ins „glückliche Arabien“ ausrüsten. Auf dem ersten Teil der Reise bis Malta im Jahr 1761 wurden nach Angaben von Professor Kratzenstein von der Universität Kopenhagen meereskundliche Untersuchungen ausgeführt und Sammlungen angelegt, die sich heute noch im Zoologischen Institut in Kopenhagen befinden. Nach diesem frühen Auftakt sollte es bis 1840 dauern, daß mit BELLONA wiederum ein Schiff der dänischen Kriegsflotte mit Forschungsaufgaben betraut wurde. Dessen Reise ging nach Südamerika. Legendär sollte die Weltumseglung der GALATHEA 1845-47 werden, Namensgeber für spätere weltumspannende dänische Forschungsfahrten. GALATHEA war 1827 in Kiddapore/Kalkutta für die Ostindische Kompagnie erbaut und 1845 vom dänischen Staat erworben worden. Das Schiff nahm später am ersten Schleswigschen Krieg teil, diente später als Wachtschiff im Öresund, wurde schließlich zum Kauffahrteischiff umgerüstet und ging 1889 vor der algerischen Küste verloren.
Waren die bisherigen Forschungen fernen Regionen gewidmet, so begann man in Dänemark 1859 mit meeresbiologischen Untersuchungen der eigenen Gewässer. Ein dreißig Fuß langes, spitzgattiges, kuttergetakeltes Decksboot namens KALIFEN wurde im Auftrag des Innenministeriums bei E.G. Benzon in Nyköbing/Falster gebaut. Mit diesem führte Anton Julius Smidth , der kurioserweise zuvor Schauspieler in Christiania (Oslo) gewesen war, Forschungsfahrten an der jütländischen Ostküste von Skagen bis Fredericia durch, die vor allem eine Bestandsaufnahme der Fischerei erbringen sollten. Die lange Reihe der Expeditionen in arktische Gewässer eröffnete 1882 das schonerbarkgetakelte, hölzerne Dampfschiff DIJMPHNA mit einer Reise in die Karasee. Zahlreiche Forschungsreisen hölzerner Segler mit Dampf- oder Motorantrieb folgten vor allem in der Grönlandfahrt. Sehr bekannt wurden die Reisen der Dampfbarkentine GODTHAAB, darunter vor allem die beiden Lauge Koch- Expeditionen 1926-30 und 1931-34. An Letzterer nahm auch die 1893 in Kopenhagen gebaute Dampfbarkentine GUSTAV HOLM, ein Fahrzeug des Königlich Grönländischen Handels (KGH) teil. Der Polarforscher Knud Rasmussen kaufte 1920 den Motorschoner SÖKONGEN für seine Grönlandforschungen.
Wie „Galathea“, so ist auch der Schiffsname „Dana“ mit der Geschichte der dänischen Forschungsfahrzeuge eng verknüpft. Die erste DANA, ein 1918 auf der Nakskov Werft gebauter Viermastschoner, war 1920/21 maßgeblich an der Erforschung der Aalwanderung in der Sargassosee beteiligt. DANA II, ein ehemals britischer Dampftrawler unternahm 1920-30 eine Weltfahrt. Einer breiten Öffentlichkeit wurde die Erdumrundung des Forschungsschiffes GALATHEA II 1950-52 durch die Bücher des Schriftstellers Hakon Mielche bekannt.
Das Buch enthält einen Abschnitt, der den Leser aus Clipperkreisen besonders interessieren wird. Unter der Schirmherrschaft von Ejnar Mikkelsen, einem Veteran der oben erwähnten Lauge Koch-Expedtionen, wurde 1960 die Dänische Indopazifik-Expedition ins Leben gerufen. Namhafte Firmen unterstützten das Projekt, die Reederei Lauritzen stellte hierzu die Motorgaleas NOONA DAN zur Verfügung, 1939 bei Ring Andersen gebaut und bis 1956 vom Bauherrn Karl Lorentsen als Eignerkapitän unter dem Namen HAVET betrieben. 1961 brachten sechs Seeleute das Schiff via Panamakanal in den Pazifik, wo es auf den Palau-Inseln, im Salomonarchipel und auf den Neuen Hebriden als schwimmende wissenschaftliche Plattform für wechselnde Teams von Biologen und Ethnologen diente. Die ursprüngliche Planung, die Forschungen bis 1963 auf Indonesien auszudehnen, musste fallengelassen werden, da der damalige Machthaber Sukarno die Genehmigungen verweigerte. Die seemännische Besatzung war darüber nicht böse, denn so konnte sie rechtzeitig zum Weihnachtsfest 1962 im Tuborghavn festmachen. Bereits bei der Willkommensfeier kündigte Ivar Lauritzen den Verkauf des Schiffes an, wenige Monate später unterschrieb Kapitän Hattendorf vom Deutschen Schulschiffverein in Svendborg den Kaufvertrag. NOONA DAN wechselte die Flagge und später den Namen in SEUTE DEERN.
Man merkt dem Buch an, dass es von einem Insider geschrieben wurde. Thorkild Sandbeck fuhr 12 Jahre auf dem Forschungsschiff DANA III zur See, später war er unter anderem Ausbildungsoffizier auf dem staatlichen Segelschulschiff DANMARK. Er hat bereits mehrere Bücher über dänische Schiffahrt, etwa über Fischerei und Eisbrecher publiziert. Weit gespannt ist der historische Bogen seines hier vorliegenden Werks, von den ersten Gehversuchen der Meereskunde auf „ausgeborgten“ Kriegsschiffen bis zu den heutigen, hochmodernern schwimmenden Laboratorien. Thorkild Sandbeck hat in diesem akribisch erarbeiteten und liebevoll ausgestatteten Band nicht nur die Schiffe und ihre Forschungsunternehmen vorgestellt. Auch das weitere Schicksal der Fahrzeuge und insbesondere die Biographien der Seeleute und Forscher werden eingehend gewürdigt
Der Band ist durchgehend mit historischem Kartenmaterial, Stichen, Gemälden, Schiffsrissen und Fotografien illustriert. Sicherlich eines der fundiertesten und schönsten Fachbücher über Schiffe in den letzten Jahren!
Wolfgang Bühling