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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Geschichte der Hapag-Schiffe


second mate
07.01.2008, 17:28
Arnold Kludas
Die Geschichte der Hapag-Schiffe. Band 1: 1847-1900
Hauschild-Verlag, Bremen, 2007, 240 Seiten, Preis: EURO 48.00
Arnold Kludas, Jahrgang 1929, war nach 17-jähriger Tätigkeit bei Blohm&Voß Verlagslektor des seinerzeit sehr bekannten maritimen Verlags Stalling. Von 1976 bis 1992 leitete er die wissenschaftliche Bibliothek des deutschen Schiffahrtsmuseums. Aus seiner Feder erschienen seit 1971 mehr als 50 Bücher, er gilt international als einer führenden Experten auf dem Gebiet der Geschichte der Passagierschiffahrt.
Die Schiffe der Hapag-Flotte mußten vergleichsweise lange auf eine detaillierte Darstellung warten, frühe Publikation befaßten sich schwerpunktmäßig mit der Unternehmensgeschichte und boten bestenfalls Listen des Schiffsparks. Erst zwischen 1979 und 1981 publizierten Kludas und Bischoff ein dreibändiges Werk „Die Schiffe der Hamburg-AMERIKA-Linie“. Die Bände sind seit 25 Jahren vergriffen. Da mittlerweile auch die Nachkriegs-Hapag-Schiffe ihre Karrieren beendet haben und gezielte Forschungen neue Erkenntnisse erbrachten, ist nunmehr eine abschließende Darstellung der Flotte bis zur Fusionierung mit dem Norddeutschen Lloyd 1970 möglich.
Das neue Werk ist auf vier Folgen angelegt. In den ersten drei Bänden werden die Seeschiffe der Hapag in chronologischen Gruppen zusammengefaßt, vorgestellt. Diese Präsentation des Schiffsparks wird von einer Chronik begleitet, die Informationen zur Unternehmensgeschichte und zum Umfeld der Flottenentwicklung bietet. Hierbei wird auch auf die Hafenanlagen, Gebäude und übrigen Einrichtungen der Hapag eingegangen. Der vierte Band wird dann den Seebäderschiffen, Tendern, Hilfsschiffen und den Luftfahrtaktivitäten gewidmet sein.
Der Band 1, welcher die Zeit von der Reedereigründung 1847 bis zur Jahrhundertwende umfaßt, ist durch die stürmische schiffbauliche Entwicklung in dieser Epoche besonders interessant. Begonnen hatte die Hapag mit zehn Paketseglern, drei Vollschiffen und sieben Barken. 1855 wurde das Dampfzeitalter mit den eisernen Schraubenschiffen HAMMONIA und BORUSSIA eingeläutet, beide noch mit Klüverbaum, drei niedrigen Masten mit einfachen Mars- und Bramsegeln. Es folgten vier weitere Schiffe dieser Bauart, sämtlich bei Caird & Co. in Greenock gebaut. Auch die zweite Dampfergeneration, ab 1863 trug immer noch Masten mit Hilfsbesegelung, der Klippersteven entfiel allerdings nunmehr zugunsten eines senkrechten Dampferstevens. Daß in den ersten Jahrzehnten der Hapag nicht immer nur „Wagemut und Weitsicht“ der Reeder dem Unternehmen glänzende Erfolge beschieden, sondern sich auch Mißerfolge und Fehleinschätzungen einstellten, läßt sich aus den Abschnitten „Chronik“ ersehen. So hielt Direktor Godeffroy anfangs die Aufnahme der Dampfschiffahrt ohne Regierungszuschüsse für unmöglich und mußte erst von den Aktionären dazu gedrängt werden. Der für den neu eröffneten Westindiendienst angeschaffte Schiffspark entpuppte sich als unbrauchbar, so wiesen die Einheiten eine viel zu große Passagierkapazität auf. Andererseits gelang es, die Flotten zahlreicher anderer Reedereien zu übernehmen, so etwa die Adler-Linie, die Carr-Linie, die deutsche Dampfschiffs-Rhederei Hansa und de Freitas.
Bekanntlich führte Albert Ballin die Hapag zum Weltruhm, 1886 übernahm er zunächst die Leitung der Passageabteilung. Zwei Jahre später stieß das Unternehmen in die Spitzengruppe der Nordatlantik-Reedereien vor, als AUGUSTA VICTORIA, Stamm-Mutter einer Generation von modernsten Linern, vom Stapel lief. Sie war, nach der nur wenige Monate zuvor zu Wasser gelassenen CITY OF NEW YORK, der zweite Doppelschrauben-Schnelldampfer der Welt. Bei der ab 1889 eingeführten, speziell für Auswandererzwecke konziperten SCANDIA-Klasse setzte die Direktion die Politik fort, die Schiffe einer Generation auf mehrere deutsche und britische Bauwerften zu verteilen. So wurden zwei Einheiten dieser Baureihe bei der AG Vulcan, Stettin, eines bei Laird&Co. in Birkenhead bestellt. Im Jahre 1900 läuft die DEUTSCHAND vom Stapel, das einzige Hapag-Schiff, das jemals das Blaue Band erhielt. Auf der Jungfernreise Cuxhaven-New-York gewinnt sie mit 22,42 Knoten diese imaginäre Auszeichnung, die sie bis 1907 verteidigt. Als früher Versuch, Luxuskreuzfahrten einem größeren Publikum anzubieten, gilt PRINZESSIN VICTORIA LUISE, die ebenfalls 1900 vom Stapel läuft. Im Sommer ging es, auf den Spuren des Regenten Wilhelm II., nach Norwegen, im Winter wurden Westindien-Reisen angeboten. Auf einer der Karibikreisen kommt es bei der Ansteuerung von Kingston, Jamaica zu einem Navigationsfehler, das Schiff kommt fest und kann auch bei mehreren Bergungsversuchen nicht wieder freigeschleppt werden.
Daß Arnold Kludas als Forscher und als Schriftsteller in diese neue Publikation die Erfahrung und Routine vieler Jahrzehnte eingebracht hat, merkt man nicht nur der Konzeption der Darstellung, sondern auch der überlegenen Art und Weise der Illustrierung an. Neben den eigentlichen Schiffsporträts, wie immer bei Hauschild erstklassig reproduziert, findet sich eine Vielzahl von Dokumenten, wie Schiffsplakate, Fahrpläne und Zeitungssauschnitte, darunter absolute Raritäten. So wurde ein Druck, man würde heute sagen, ein „Poster“ aus dem Jahre 1891 aufgenommen, auf dem die Konterfeis der prominenteren Hapag-Kapitäne in qualitätvollen Zeichnungen wiedergegeben sind Ein späteres, ähnliches Plakat zeigt die Fotografien der Hapag-Schiffsführer in Jahre 1895. Sehr schöne historische Fotos finden sich von den Hapag-Anlagen am Jonas bei den Landungsbrücken in Hamburg, auf denen eindrucksvoll die baulichen Entwicklungen durch die Zeiten ablesbar sind.
Der Verlag Hauschild hat sich über die Jahre hinweg zu einem der wichtigsten deutschen Schiffahrtsverlage entwickelt. Dazu gehört auch, daß die ursprüngliche, mehr regionalgeschichtliche Orientierung nunmehr erweitert wird, eine Entwicklung, die schon mit der umfangreichen Schoner-Geschichte von Herbert Karting deutlich wurde. Dazu paßt auch, daß neben der grundlegenden Darstellung der Geschichte des Norddeutschen Lloyd aus der Feder von Reinhold Thiel nun auch die Hamburger Konkurrenz von Bremen aus durch ein entsprechendes Standardwerk gewürdigt wird.
Wolfgang Bühling

Hannes
08.01.2008, 23:44
Moin,

habe das Buch und bin ziemlich angetan davon. Weißt du etwas über Fortführung? Ist das schon in Arbeit? Release? =)

Danke,
Hannes

second mate
09.01.2008, 21:06
Hallo Hannes,
angekündigt sind die Folgebände für 2008 und 2009. Am Beispiel der Schoner-Reihe von Herbert Karting aus dem gleichen Verlag kann man aber ersehen, daß mit Verzögerungen gerechnet werden muß. Du kannst ja immer mal reinschauen bei www.hauschild-werbedruck.de und wir werden die Titel natürlich auch baldmöglichst hier vorstellen.
Wer sich die Gesamtreihe preislich leisten will, sollte zugreifen, es gibt nichts Besseres zum Thema und es wird mit Sicherheit auch in Zukunft nichts Vergleichbares geben.
Grüße
second mate

Calle
09.01.2008, 21:25
"frühe Publikation befaßten sich schwerpunktmäßig mit der Unternehmensgeschichte und boten bestenfalls Listen des Schiffsparks."

z.B. von diesem Herrn:

Hans Jürgen Witthöft: HAPAG, 1973 by Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford.
Im gleichen Verlag erschien die Geschichte der damaligen Konkurrenzreederei Norddeutscher Lloyd, ein Jahr später dann die Story der Fusion: HAPAG-LLOYD.

Für Leute, die mit beiden Vereinen nichts am Hut hatten (im Wortsinne, es gab unterschiedliche Dienstmützen), mag aus heutiger Sicht die nüchterne Aufzählung von Schiffsdaten und deren Schicksal nebst Bildern uninteressant sein - alte "Ringelsocken" (Schornsteinfarbe schwarz-weiss-rot-gelb: Hapag) oder "Gelbhälse" (Schornsteinfarbe nur gelb: Lloyd) wie meinereiner könnten dagegen in nostalgische Verzückung geraten:
Mensch - das ist ja die olle "Goslar", Baujahr 1959 - das war 1966 mein erstes Schiff.. da hab ich noch mit Gitarre im Seesack angemustert....verkauft 1972 nach Liberia...

Schüpferling
17.01.2008, 16:33
Für die reine Statistik - und als Gedächtnisstütze - gibt es das Buch von "4K" Karsten-Kunibert-Krüger-Kopiske: "Die Schiffe von Hapag-Lloyd" , erschienen 2003 bei Koehler. Hier sind alle Nachkriegsschiffe bis zum Beginn dieses Jahrhunderts aufgeführt - kompl. Lebensläufe bis zum abwracken...Kann also jeder sehen was aus "seinem" Schiff geworden ist (bei mir fängt`s mit der "Bavaria" an, 1970/71 - Ausbildungvertrag war noch auf "Hapag"-Papier)

Wem das nicht reicht, denn HaLo war ja auch anderweitig tätig: von 4K gibt`s auch das Buch "Deutsche Tankschiffe" : hier findet man dann auch die 400.000to Tanker "Berlin" u. "Bremen" der Kosmos (die "Bonn" ist in beiden Büchern aufgeführt).

Das erinnert mich z.B. an meinen ersten Clipper-Einsatz: zwischen zwei 400.000to Tankern (s.o., Lüa 364m) im Urlaub mal eben auf "Amphi": welch eine Umstellung.... aber Spaß gemacht hat`s, sonst wär ich nach 25 Jahren nicht mehr dabei.