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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DVD Around the World in the Pommern


second mate
24.04.2008, 21:31
Around the World in the Pommern
A film by Per-Ove Högnäs and Jonas Tuominen, Pelago-Film, Mariehamn, Åland, Finland, 2004, DVD s/w und color, 28 Min., schwedischer Kommentar mit englischen Untertiteln. Preis: 22.00 Euro, Bezug über pelagofilm@co.inet.fi
Die Schiffe der Reederei Laeisz werden hinsichtlich ihrer Produktionsstätten gedanklich zunächst einmal mit Tecklenborg und Blohm & Voss in Verbindung gebracht. Es ist auch nicht so sehr im Bewußtsein der deutschen maritim orientierten Öffentlichkeit verankert, daß renommierte deutsche Reedereien, wie etwa die HAPAG, gerne auch Schiffe bei schottischen Werften in Auftrag gaben, die für ihre hohe Bauqualität bekannt waren. Auch in die Annalen der Flying-P-Line fanden Schiffe vom Clyde oder etwa aus Dundee und Leith ihren Eingang, wenngleich in aller Regel auf dem Wege von second-hand-Käufen. Dies war auch bei POMMERN der Fall, 1903 bei J. Reid &Co. in Glasgow vom Stapel gelaufen. Unter dem Namen MNEME war die Viermastbark nur kurze Zeit für den Bauherren Wencke Söhne, Hamburg, unterwegs, bereits 1905 wurde sie an die Rhederei AG von 1896 in Hamburg verkauft, um kurz darauf erneut den Besitzer zu wechseln. 1906 kam sie zu Laeisz und erhielt den neuen Namen, den sie bis auf den heutigen Tag trägt. Laeisz beschäftigte die Viermastbark bis zum Kriegsausbruch in der Salpeterfahrt, den Ersten Weltkrieg verbrachte sie in Valparaiso. Danach wurde POMMERN Griechenland als Reparationsleistung zugesprochen, von wo Erikson sie 1923 erwarb. Nach dem Niedergang der Salpeterfahrt war POMMERN am letzten Kapitel der weltweiten Segelschiffahrt, der Weizenfahrt nach Australien, beteiligt. Bei Ausbruch des Krieges lag POMMERN im heimatlichen Mariehamn, mit ein Grund dafür, daß sie, zwischendurch nach Stockholm verholt, die Jahre bis 1945 unbeschadet überstand und im Besitz Eriksons verblieb. Dies wiederum war die Grundlage dafür, daß das Schiff nunmehr als Museum- und Stadtschiff zum festen Bestandteil des åländischen Schiffahrtsmuseums in Mariehamn geworden ist. Besonders stolz ist man dort auf die Tatsache, daß POMMERN die einzige im ursprünglichen Bauzustand erhaltene Viermastbark der Welt ist. Sie ist zugleich ein überlebendes Exemplar vom Typ „baldheader“, das heißt, sie führte keine Royal- oder Reuelsegel. Trotzdem, POMMERN war beileibe kein langsames Schiff! Legendär geworden sind ihr Etmal von 337 Seemeilen im Indischen Ozean 1935 und die Ausreise zum Weizenrennen 1932 mit 75 Tagen von England nach Australien.
Vorliegende DVD-Produktion ist ein Zusammenschnitt aus historischem Material und zeitgenössischen Aufnahmen, letztere zumeist im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Jubiläum im Jahre 2003 entstanden. Sie zeigen POMMERN an ihrem Liegplatz und im Schlepp zur Werft, einige Schnappschüsse der Jubiläumsfeierlichkeiten, eine Aktion „Segelnähen für alle“, im Rahmen derer unter kundiger Anleitung ein komplettes Stell Segel neu entstand und etliches mehr. Von geschichtlicher Bedeutung sind Interviews mit vier überlebenden Besatzungsmitgliedern aus den dreißiger Jahren.
Der historische Schwarzweißteil besteht überwiegend aus Aufnahmen des Engländers Douglas Fryer, der an der Weltreise 1936/37 teilgenommen hat. Zwei weitere Teilnehmer dieser Reise, Steuermann Lorentz Karlsson und Donkeymann Ragnar Humell gehören zu den erwähnten befragten Zeitzeugen. Den Auftakt stellt die Strecke Mariehamn- Kopenhagen dar, wie die anderen Erikson-Schiffe nutzte POMMERN bei der Ausreise einen Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt zum Bunkern, Verproviantieren und zum Docken. Dann ging die Reise Nord um Schottland, um das Kap der Guten Hoffnung, durch den Indischen Ozean nach Südaustralien, wo sich während der dortigen Erntezeit die letzten Tiefwassersegler zum Weizenladen ein Stelldichein gaben. Fryer war es darum getan, vor allem auch den seemännischen Alltag an Deck, Arbeit wie Freizeit darzustellen. Das korbweise Löschen von 1400 Tonnen Ballast in ist ebenso festgehalten , wie das Stauen von 4000 to Weizen in Säcken. In Säcken, wohlgemerkt, denn die Tradition der Segelschiffahrt war noch nicht abgerissen und das damit verbundene knowhow noch gegenwärtig. Die Heimreise verlief westwärts entlang der Eisberggrenze, wie eindrucksvoll im Film festgehalten ist, und um Kap Horn. Nach Queenstown for orders wurde in Ipswhich gelöscht mit eigenem Ladegeschirr, versteht sich.
Vorliegende Produktion macht als Mischung historischer und gegenwärtiger Filmaufnahmen den Eindruck einer, zweifellos gelungenen, Fernsehdokumentation. Und man darf den Hinweis auf die Verbindung mit dem finnischen Rundfunk sicherlich auch so werten, daß sie als solche produziert wurde und auch gelaufen ist. Ihr schiffahrthistorisches Verdienst besteht darin, daß sie auf die bisher nicht bekannte Filmdokumentation von Douglas Fryer aus den Jahren 1936/37, die im Museum in Mariehamn verwahrt ist, aufmerksam macht. Damit gesellt sich zu den Filmen von Johnson, Hauser und Villiers ein viertes Originaldokument zur Endzeit der Frachtsegelschiffahrt. Der Abspann enthält allerdings darüber hinaus Hinweise auf Filmmaterial, welches auf L’AVENIR 1932 und 1936 entstand und aus dem Sequenzen, wie auch stellenweise augenscheinlich, in den vorliegenden Schnitt mit eingebracht wurden. Es wäre aus der Sicht des Historikers aber durchaus wünschenswert, wenn der Fryersche Film als unverschnittenes Original und mit sorgfältiger Kommentierung zusätzlich ediert werden könnte.
Wolfgang Bühling