Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : mal ein anderes Schiff in den Süden schicken?
Hallo, ich finde es sehr schade das die Wintertörns um Mallorca immer nur auf der Jonny gesegelt werden. Ich persönlich hab nicht so große Lust auf nem Schiff zu segeln, wo die ganze Zeit der Jockel an ist (nichts gegen Freunde der Jonny ;-) ). Was haltet ihr davon wenn Clipper mal eins der drei anderen Schiffe im Herbst Richtung Süden schicken würde?
günther_bendt
05.07.2004, 00:05
Hallo Hauke,
Johnny ist das Schiff der Clipperflotte, das in der Regel im Süden unterwegs ist.
Sie bietet mehr Kojen als jedes andere Clipperschiff, hat als einziges Clipperschiff eine Klimaanlage, die man in südlichen Gefilden braucht, und hat einen geschlossenen Steuerstand, der dem Rudergänger auch bei schwerstem Wetter Sicherheit bietet. Außerdem verfügt sie über besonders große Tanks für Treibstoff und Frischwasser.
Einen geschlossenen Steuerstand hat von den Clipperschiffen sonst nur die Seute Deern. Sie wäre wohl das einzige Schiff, dass von ihrer Ausstattung her die Johnny im Winter um die Balearen ersetzen könnte. Im Winter muss die Seute Deern aber für die nächste Sommersaison gewartet und fit gemacht werden. Das kann man nicht auf den Balearen machen, denn unsere Mississippi liegt nun mal in Harburg, und da treffen sich all die Winterarbeiter, die ihre Wochenenden und Freizeit dafür einsetzen, die Clipperschiffe zu erhalten, Reparaturen und Umbauten durchzuführen und für die nächste Saison fit und schön zu machen.
Auf der Johnny muss der Jockel ständig laufen, weil ohne Strom gibt´s keine Klimaanlage und keine elektronische Navigation. Das ständige Geräusch, die Vibrationen und die Abgase können einen schon nerven, aber Brennstoffzellen gibt es leider noch nicht für den Einsatz auf Schiffen, jedenfalls keine, die man bezahlen kann. Solange müssen wir noch mit dem Jockel weiterleben.
Beste Grüße,
Günther
ich gebe dir recht das das mit den winterarbeiten sicher ein problem wäre...aber mich würde ein wintertörn auf der Seute zB bedeutend mehr reizen als auf der jonny. Werde aber wohl früher oder später auch auf der Jonny mal einen Wintertörn buchen...und hoffe das nicht zu viele Voruteile über die Jonny bestätigt werden.
Mit diesem Thema im Forum wollte ich mich vorallem umhören ob es noch mehr Clipperaner gibt die den gleichen Wunsch haben.
noch mal kurz was hinterher: könnt ich wenn ich votet nicht noch ne kurze Begründung posten?
Hm....für mich kommt zwar ein wintertörn (noch) nicht in Frage, aber denkt ihr nicht auch,dass das zB Amphi mit ihren Ü100 Jährchen nicht so gut bekommen würde in der südsee?
Hab gehört man wird schon in der Ostsee von oben/unten/hinten/vorn manchmal in den Kojen nass?! :?:
günther_bendt
07.07.2004, 00:52
Hallo Joanna,
Amphi hat einen offenen Steuerstand. In der letzten Gelben Post war ein Bericht von einer Sturmfahrt, die Johnny im Atlantik durchgemacht hat, mit Brechern, die drei Meter hoch über das Steuerhaus schlugen und den Bugkorb verbogen haben.
Amphi hat kein Steuerhaus, da müsste der Rudergänger bei so einem Orkan im Freien stehen.
Da ist auf Amphi das Segeln auf der Ostsee im Sommer doch angenehmer.
Amphi wird dieses Jahr 116. Dass es in den oberen Kojen manchmal feucht wird, hat aber nichts mit ihrem Alter zu tun. Es liegt eher am Sommer.
Ein Holzdeck muss man feucht halten, wenn es dicht bleiben soll. Lässt man es austrocknen, zieht sich das Holz der Decksplanken dabei etwas zusammen und die Fugen dazwischen werden größer. Wenn die Dichtmasse in den Decksfugen das nicht mehr ausgleicht, entstehen schließlich Undichtigkeiten, durch die Wasser tropft, bis das Holz durch Wasseraufnahme aufquillt und die Undichtigkeit dadurch wieder geschlossen wird.
Das tägliche Deckwaschen der Bordroutine soll vor allem das Schrumpfen der Planken verhindern, indem man sie wässert, aber das gelingt nur, wenn das Wasser beim Deckswaschen auch genug Zeit zum Einziehen hat.
Wenn man beim Deckwaschen nur dahinter her ist, dass das Deck ganz schnell wieder trocken werden soll, wird das Deck undicht.
Ein paar Stunden Regen bringen das in der Regel wieder in Ordnung. Die ersten paar Stunden tropft es dann hier und da noch durch, und dann hört das auf.
Nass wird man in den Kojen dann nicht, nur in den obersten Kojen hier und da ein bisschen feucht.
N´bisschen Wasser gehört beim Segeln ja auch dazu.
Grüße,
Günther
...aber mich würde ein wintertörn auf der Seute zB bedeutend mehr reizen als auf der jonny.
Bevor Jonny bei Clipper war, ist es tatsächlich Seute gewesen, die in den Süden gesegelt ist. Das kann man sogar heute noch erkennen, denn meines Wissens ist der Ladebaum am Besan hautpsächlich für die Südeinsätze angeschafft worden.
günther_bendt
08.07.2004, 12:25
Hallo Olpi,
Stimmt!
Seute Deern war sogar mal Forschungschiff in der Südsee und ist einmal um die Welt gesegelt.
Persönlich würde ich auch lieber auf der Seuten segeln als auf Johnny. Seute ist ein gemütliches und robustes Schiff aus gutem Holz, das auch härteres Wetter gut verträgt und dabei noch recht trocken segelt.
Da muss auch nicht ständig der Jockel laufen.
Wenn die Seute im Winter segelt, muss man allerdings klären, wie man das mit den Wartungs-und Pflegearbeiten auf der Seuten für die Sommersaison unter einen Hut kriegt. Da kommt immer einige Arbeit zusammen, damit die Schiffe in Schuss und einsatzfähig bleiben.
Grüße,
günther
ingotautz
08.07.2004, 16:47
Moinsen,
Ich freue mich darüber dass dieses Thema angeschnitten wird. Auch wenn es viele gute Gründe gibt, dass Seute Deern von Jonny in den Kanaren abgelöst wurde so zeigt diese Diskussion auf, dass es einige Clipperaner gibt, die die Kanaren zumindest lieber auf Seuten bereisen würden oder die vielleicht auch deshalb nicht mit Clipper in die Kanaren fahren weil wir dieses Seegebiet seit Jahren "nur" mit Jonny befahren.
Doch sehen die Chancen für Seute wie ich denke schlecht aus. Sicherheit, Logistik (Größe der Tanks, Anzahl der Kojenplätze), und Komfort sprechen eindeutig für Jonny. Der Aufwand der der Wintereinsatz für die Wartung/Reparatur/Instandhaltung bedeutet muss bei Jonny auch erbracht werden, dennoch bringt ein Wechsel der Routine natürlich Aufwand mit sich, man rennt da bei den Verantwortlichen verständlicherweise keine offenen Türen ein.
Diese Argumente mit Gemütlichkeit, knarzenden Planken und Segeln ohne Dieselgeräusche /-Vibrationen zu entkräften wird leider scheitern. Das ist schade, denn auch mich reizt der Gedanke mit Seuten in die Kanaren zu segeln, auch wenn ich zugegebener Maßen die Klimaanlage auf Jonny im letzten Sommer sehr zu schätzen gewußt habe.
Ich würd mich freuen wenn hier noch mehr Leute Ihren Senf dazu geben und werde diese Beiträge mit großem Interesse verfolgen.
Ingo
War sowohl auf einem Kanaren- als auch - Anfang Oktober - auf dem arentörn. Kann Euch sagen, ohne Klimaanlage wären wir eingwie die Primeln im Winter! 28 Grad im Schatten! Da bist Du froh, wenn Du in der Koje kühl liegen kannst. Sicher, der Jockel nervt in den ersten Stunden nach dem An-Bord-Gehen, aber danach höre ich ihn nicht mehr, eben so, wie man die übrigen Schiffsgeräusche nicht wahrnimmt. Mir haben e Törns sehr gefallen, auch wenn der Balearentörn etwas wenig :wink: Wind hatte...
Aber zum Segelerlebnis im Süden gehört ja auch: Seemannschaft, Teamgefühl, nächtliche, 'philosophische' Gespräche, Landgänge im Team/Wachverbund, gute Küche, kalte Getränke,...
Mir macht's Spaß!
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